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1992 - 2020
28 Jahre entwicklungspolitische Arbeit

 

Erneuerung des kaputten Ziegeldaches der „Capilla Santa Cruz“
von Hermann Schmitz † 30.03.2019
13.10.10     Klicks:2945     A+ | a-
„La lucha continua“  -  der Spruch von 1984 gilt heute genau so. Graciela und Nelly, die Hausangestellten des Pensionsbesitzers, „wohnen“ nur ein paar hundert Meter von ihrer Arbeitsstelle entfernt, auf der anderen Seite der Avenida Artigas, wo man unmittelbar in eine andere Welt eintaucht, die aus Schmutz, zusammen gebastelten Hütten, ruinierten Wegen und teilweise kriminellen Bewohnern besteht. Nelly und ihr Mann Ventura, der auch in der Pension als Alleskönner arbeitet, haben immerhin ein bescheidenes Häuschen, in dem auch die einzige Tochter mit ihnen lebt. Anna  ist Primarschullehrerin, hat gerade ihr Examen zur Sekundarlehrerin geschafft. Wenn man sie in ihrer bescheidenen Zimmerecke mit dem Uraltcomputer fleißig bei der Arbeit sieht, muss man sie dafür  bewundern, wie sie sich aus ihrer Armut befreien und „heraus arbeiten“ will. Graciela, die eigentliche Seele der Pension  -  von allen geliebt, was sich leider nicht an ihrem Verdienst zeigt -  hat nur eine ganz einfache Holzhütte, die beim letzten Sturm vor zwei Tagen wieder einmal ein Stück kleiner geworden ist . ..

Da kommt sie gerade heraus, sie  hat eine Schüssel für die Nudeln geholt, denn heute, am  Sonntag, verkauft die Nachbarschaftsgruppe der „Heiligkreuzkapelle“ Essen an die Familien, die gerne mal gut und preiswert genießen wollen: Natürlich gibt es „Sopa Paraguaya“, als Hauptessen aber Nudeln, wahlweise mit Rindfleisch und einer prima Soße, oder mit Hähnchen, zum Nachtisch süßen Milchreis und eingelegte Papayastücke. Da kommen nun die Leute mit den unterschiedlichsten Behältern, die von Graciela genau und gerecht gefüllt werden, auf die Nudeln streut sie immer noch eine Handvoll geriebenen Käse, ein komplettes Essen kostet 8.000 Guaraníes, also etwa 1,30 Euro. Cynthia schreibt alles genau auf, besonders natürlich die (wenigen) Nichtzahler, die anschreiben lassen.Hier stehen sie unter der neuen Konstruktion des Vordaches der Kapelle, die wir vor einem Jahr finanziert haben.
 
Der Sturm hat ihm nichts anhaben können, berichten sie stolz, und Oscar ist auch zufrieden, er hatte das Material besorgt und die Arbeiten beaufsichtigt. Aber nun ist das Ziegeldach der Kapelle, eh schon lückenhaft und bröckelig, nicht mehr zu retten und soll für 200 Euro auch durch ein stabiles Wellblechdach ausgetauscht werden, was ich Romantiker natürlich schade finde  -  hier aber herrscht Pragmatismus vor. Und man muss sich das ja auch mal vorstellen: Ein ganzes Dach für 200 Euro! Es geht  uns dabei weniger um die Kapelle als Kirchenraum, sondern als sozialen Ort und Nachbarschaftstreff  des Viertels!!

„Don Oscar“, wie sie unseren alten paraguayischen Freund respektvoll nennen, ist wieder dabei, er wird die Arbeiten koordinieren. Es ist noch so viel Soße übrig, dass Eugenia noch mal schnell mehr Nudeln kocht. Nach einer guten Stunde ist alles Essen verkauft, 350.000 Guaraníes (ca. 55 Euro) haben sie „verdient“, wenn sie die Unkosten abziehen (die Nudeln waren geschenkt).

Doña Clarita, älteste Bewohnerin des Santa Cruz Viertels, ist heute nur einfach angezogen, ich hätte sie gern, wie vor einem Jahr, wieder in ihrem mit bunten Blumen bestickten Kleid aus weißem Leinen gesehen, es war ihr ganzer Stolz. Man will ihr „Mate cocido“ geben, heißen Matetee, sie besteht aber auf Coca  Cola  -  „die richtige Coca, nicht das nachgemachte Gesöff!“ Recht hat sie.

Auch die hübsche junge Mutter mit ihrer ebenso hübschen Tochter (ohne Vater) ist da. Sie muss früh wieder weg, im nahen Hospital La Costa die Flure putzen, eine Nachbarin passt auf ihre Kleine auf. Oscar hat schon einige „piropos“ gelandet, seine berühmten Schmeicheleien, er lässt sie nur ungern gehen .....

Nelly lädt uns nach getaner Arbeit unter dem kleinen Vordach ihres Häuschens zum Essen ein, ich besorge mit Vera noch Cola und Sprite dazu  -  in einem vergammelten Spielzeug-Kaufladen, versteckt in dem Labyrinth der Armut.

Es war ein leckeres, vor allem fröhliches Essen  - so ganz können sie es aber immer noch nicht glauben, so schien es mir jedenfalls, dass ich mich bei ihnen genau so wohl fühle wie bei meinen „gleichen“ Freunden. Oscar geht es genau so, was mich freut. Beide fühlen wir uns nur unwohl, wenn wir (und die PPI!) wegen 200 Euro „gefeiert“ werden. Wir gehen dann noch ein bisschen „spazieren“, durch ein Gässchengewirr gelangen wir auf die „Prachtstraße“, die   über verbotenes Firmengelände zum Rio Paraguay führt.

Immerhin bietet sich uns jetzt einmal der Blick auf Asunción von unten.
Hier soll bald die neue Uferstraße gebaut werden.
Wer´ s glaubt....

Zurück durch Schrott und Abfall und über einen stinkenden Kanal  -  aber auch vorbei an Kindern aus Annas Schulklasse, die fröhlich posieren.

Und dann wieder auf unserer Straße aus Bruchsteinen, die zur Pension führt.

Ausbildungszentrum für ländliche Entwicklung (CCDA)

Hilfsverein Solidarität - Solidaridad

Fundación Vida Plena

Kinderstation Hospital Barrio Obrero

Fundación Celestina Pérez de Almada

Padre Oliva - Bañados del Sur

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