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Sie sind bei Sojaanbau
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Paraguay:
Immer mehr Soja-Anbau - immer mehr Bauern ins Gefängnis - Die Expansion von Soja in Paraguay -
Quelle: Grupo de Reflexión Rural, Argentinien, Javiera Rulli, Februar 06 Übersetzung: Christiane Reiß Pro Paraguay Initiative e.V. Fotos: Hermann Schmitz
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Protestlager paraguayischer Campesinos in San Pedro
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“Asentamiento“ - Campesinos besetzen Land
Hinsichtlich des grausamen und gewaltsamen Gesichts der Soja-Industrie im Bereich des Mercosur ist Paraguay ist ein extremer Fall. Jeden Hektar Soja bezahlen die ländlichen Gemeinschaften in Paraguay mit ihrem Blut. Für das Agro - Business stellt die ländliche Kleinbauernwirtschaft ein Hindernis dar, welches zum Zwecke der eigenen Expansion aus dem Weg zu räumen ist. Paraguay ist ein Land, das bis heute eine lebendige Kleinbauern- und indigene Kultur besitzt, wobei die Mehrheit der Bevölkerung in ländlichen Gebieten lebt und versucht, aus eigener Kraft zu überleben. Dennoch war, wie die Geschichte zeigt, die Landverteilung bereits in der Vergangenheit extrem ungleich. In Paraguay gehören 70% des Landes weniger als 2% der Bevölkerung. Durch den Fortschritt des landwirtschaftlichen Export-Modells für Soja und die Expansion von Produzenten gentechnisch veränderter Soja-Monokulturen entstand innerhalb der letzten Jahre eine frontale Bedrohung für die Campesino- und indigenen Gemeinschaften. Die Regierung unter Duarte Frutos, verstrickt in nie endende Korruptionfälle und unterstützt von agro-industriellen Multis wie Monsanto, Cargill, Dreyfuss oder Syngenta, lässt bäuerliche Organisationen angreifen – und wird immer weniger deswegen belangt.
Gentechnisch veränderte Soja kommt sowohl durch US-Truppen ins Land als auch durch den WWF aufgrund des “Schulden-gegen-Umwelt-Tausch”-Programms[1] sowie durch USAID aufgrund des “Schulden-gegen-Gesundheit-Tausch”-Programms. Blickt man auf Paraguays Zukunft, zeichnet sich ein Szenario ab, in dem die multinationalen Unternehmen die Ländereien, das genveränderte Saatgut und die Restbestände an Wald kontrollieren. Amerikanische Soldaten werden in Zukunft diejenigen sein, welche die militärischen Einheiten ausbilden und in ihrer Freizeit über Bildungs- und Gesundheitsangebote Kontrolle über die ländlichen Gemeinschaften ausüben. Während die Multis in Gestalt riesiger Güter mit Tausenden Hektar Land expandieren - wobei diejenigen mit lang andauernden Allianzen mit dem damaligen Diktator Stroessner annähernd 12 Mio. Hektar Land besitzen - haben die Parzellen der Bauern kaum mehr als 1-3 Hektar. In Paraguay wird eine Familie mit weniger als 5 Hektar Land als „sintierra“, landlos, betrachtet, da man mit einer solch geringen Fläche keine Eigenversorgung erreichen kann. Laut Belarmino Balbuena, Führer der MCP, Movimiento Campesino Paraguayo (Paraguayische Bauern-Bewegung), dominiert Soja den gesamten Osten und mittlerweile auch das Zentrum des Landes, sodass Gebiete ohne Soja-Anbau, außer im Chaco, nicht mehr existieren. Balbuena schätzt, dass Soja-Produzenten in fast die Hälfte der mit Land in Zusammenhang stehenden Konflikte verwickelt sind, welche zudem die gewaltsamsten sind. Das Spektrum der Soja-Produzenten ist vielfältig; unter ihnen sind Brasilianer, Deutsche, Italiener sowie große Transnationale wie Cargill, Dreyfuss und ADM.
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Gerodete Waldflächen zum Soja-Anbau in Ostparaguay
Die Konsequenzen des sich in ganz Paraguay verbreitenden Monokultur-Modells mit genmanipulierter Soja sind zahllos: Tote infolge von Vergiftungen, massive Intoxikation, Landvertreibungen, Entfremdung nationalen Territoriums und Souveränitätsverlust. Im Ostteil des Landes wurde die paraguayische Bevölkerung mittlerweile zur Minderheit und immer mehr von Siedlungen ausländischer Soja-Produzenten verdrängt. Genmanipulierte Soja wird hauptsächlich von brasilianischen Gruppen vermarktet, die mit paramilitärischen Gangs und den Techniken der Todesschwadronen agieren (eine in Brasilien übliche Praxis).
Die Soja breitet sich aus - die Bauern wandern ins Gefängnis
Seit dem Jahr 2000 haben sich die Soja-Monokulturen von 1,1 auf 2,50 Mio. Hektar Land ausgeweitet. Die Ausbreitung der Monokulturen hat eine Vertreibung der Landarbeiter und indigenen Völker hervorgerufen; diese Vertreibungen nahmen inmitten einer Kriminalisierungswelle gegen solche Bewegungen noch stark zu; zwischen 1994 und 1998 gab es 100 solcher Fälle, während es zwischen 2000 und 2003 70 waren. Allein im Jahr 2004 stieg die Zahl der registrierten Vertreibungen sprunghaft auf 66 an. In den vergangenen 15 Jahren wurden über 6000 Landarbeiter verhaftet. In den letzten Monaten wurden 46 Personen wegen ihrer Beteiligung an Landkonflikten zu 2, 3 und 4 Jahren Haft verurteilt, und mehr als 600 Landarbeiter durchliefen verschiedene Gefängnisse des Landes. 2800 Menschen im ganzen Land wurden unter Anklage gestellt. Die Beschuldigungen sind selektiv; sie richten sich in der Regel gegen die Anführer, schon eine Stellungnahme im Radio kann Anlass für eine solche Beschuldigung sein.
Seit Präsident Duarte Frutos 2004 ein Abkommen mit den Soja-Produzenten und dem Militär unterzeichnet hat, wurde die Gewalt bei den Vertreibungen, die sich ohne jegliche Vorwarnung ereignen, zur gängigen Praxis. Die Polizei kooperiert mit dem Militär und dem Paramilitär der Großgrundbesitzer unter der Aufsicht des Bezirksrichters. Sie überraschen die Bauern in der Nacht, brechen in ihre Häuser ein und verhaften alle Familienmitglieder. Es gibt Fälle von Schießereien mit Feuerwaffen, Misshandlungen und Verhaftungen von Frauen, sogar von Kindern und Verwundeten. Infolge von Misshandlung verlieren viele Frauen ihre ungeborenen Kinder. Die Soldaten rauben Hab und Gut der Menschen, zerstören ihre Häuser, ihre Ernte und töten ihre Tiere. Die Vertreibungen, angewandt als abschreckende Taktik gegen die Gemeinschaften, wirken sich nicht nur auf die neu Hinzugezogenen aus, sondern auch auf bereits lang etablierte Gemeinschaften, einschließlich solcher mit legalen Ansprüchen auf ihr Land.
INDERT verhält sich wie ein Grundstücksmakler
In Paraguay herrschte ein Landreform-Programm vor, das seit den 60er Jahren von INDERT (Instituto Nacional de Desarrollo Rural y de la Tierra, Nationales Institut für Landfragen und für die ländliche Entwicklung) reguliert wurde. Das größte Hindernis bei der Durchführung einer Landreform in Paraguay ist die Aufteilung des gesamten Landes in private Parzellen, da es kaum noch öffentliches Land gibt. Die Funktion der Beauftragten von INDERT ist die Koordinierung der Enteignung großer unproduktiver Güter und unrechtmäßiger Landtransfers sowie die Lokalisierung der verbleibenden öffentlichen Ländereien. Diese Beauftragten agieren jedoch vielmehr wie Grundstücksmakler, die mit dem für die Soja-Produzenten attraktiven Land spekulieren und durch die Kommissionen, die sie von den Produzenten erhalten, ihre Gehälter erhöhen.
Die Korruptionskette reicht bis zu den Bezirksrichtern, denn jede Vertreibung und Verhaftung eines Bauern wird von den lokalen Richtern unterstützt. Die INDERT-Beauftragten übergeben die Ländereien an brasilianische Bürger, welche zwar nicht die Bedingungen von legitimen Nutznießern des INDERT-Landreformprogramms erfüllen, dafür jedoch in bar bezahlen und so die Kommissionen der Beauftragten erhöhen.
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Soja – Veschiffung am Rio Paraguay nördlich von Concepción
Die INDERT-Beauftragten nutzen die prekäre Situation der Bauern aus, indem sie ihnen für das Verlassen ihrer Parzellen Geld anbieten und für sie einen Verkauf von “derecheras” arrangieren, Nutzungsrechte für Dritte. Die Familien werden mit einer Geldzahlung entschädigt und wandern in ärmere Gegenden in den Randgebieten der Städte ab, in dem Glauben, dass sie dort bessere Möglichkeiten erwarten. Nachdem diese Familien dann nach Jahren in der Regel alles verloren haben, kehren sie zurück und verlängern die lange Liste der umherziehenden landlosen Familien. In anderen Fällen emigrieren diese Vertriebenen auf der Suche nach Arbeit in andere Länder. Zudem ist laut den Statuten des INDERT der Verkauf der Landnutzungsrechte illegal, da diese die Unveräußerlichkeit der Ländereien über einen Zeitraum von 10 Jahren festsetzen.
Durch den Verkauf der Nutzungsrechte lösen die Gemeinschaften sich auf. Die Mehrheit der Käufer nutzt das Land für den Soja-Anbau, wobei sie Agro - Chemikalien verwenden und bewaffnete Wachen beschäftigen, wodurch sich die Gewalt gegenüber ihren Nachbarn verschlimmert. Aufgrund der Chemikalien erkranken Menschen, verlieren ihre Ernte und werden darüber hinaus permanent durch gepanzerte Truppen sowie die Polizei bedroht. Widerstand der Bauernorganisationen gegen den Verkauf der Landnutzungsrechte ist einer der Hauptgründe für Gewalt in den Gemeinschaften. Zum direkten Konflikt mit den Soja-Produzenten kommt es, wenn Aktivisten der Landarbeiter-Organisationen sich dem Verlust ihrer Parzellen entgegensetzen, die Unrechtmäßigkeit anprangern und die Parzellen mit anderen landlosen Familien erneut okkupieren. Deshalb widersetzen sich die Landarbeiter-Bewegungen jeglichem Eindringen des Sojas in ihre Gemeinschaften.
Internationale Solidarität mit Paraguay. Die Pläne der Regierung, die Expansion der genmanipulierten Soja-Monokulturen anzukurbeln, bedeuten einen Frontal-Angriff nicht nur auf die Campesino- und indigenen Gemeinschaften, sondern auch auf die gesamte Zukunft Paraguays. Die Kriminalisierung der Bauern-Organisationen vertieft die landwirtschaftliche Krise. Die Weigerung von INDERT, mit Bauern oder Siedlern, die große unproduktive Güter besetzen, zu verhandeln, impliziert die absolute Negation einer Lösung des Problems der Landlosen. Die Gleichgültigkeit der Regierung gegenüber der Kontaminierung der Menschen durch Agrogifte, die unzählige Todesfälle, Fehlgeburten oder Missbildungen bei der Geburt zur Folge hat, ist ein Beweis für die mörderische Mittäterschaft von Duartes Regierung. Angesichts dieser gravierenden Menschenrechtsverletzungen ist eine Reaktion der internationalen Gemeinschaft dringend notwendig, indem sie Menschenrechtsbeobachter entsendet und die Aktionen der paraguayischen Regierung hinterfragt und Druck auf sie ausübt. Vía Campesina und Movimiento Agrario Popular del Paraguay (MAP), zusammen mit den argentinischen Gruppen Grupo de Reflexión Rural (GRR) und Grupo de Apoyo Jurídico por el Acceso a l Tierra (GAJAT) und mit Unterstützung der NGO Base Investigaciones Sociales (BASE-IS), arbeiten an einer internationalen Kampagne zur Anprangerung der Menschenrechtsverletzungen, die sich in Paraguay infolge der Expansion des Monokultur-Anbaus von Soja ereignen. Eine Anklage im Fall der Ermordung und Vertreibung der Tekojoja-Gemeinschaft wurde zusammen mit dem Food First Informations- und Aktions-Netzwerk (FIAN) und dem Centre on Housing Rights and Evictions (COHRE) bei internationalen Menschenrechtsinstitutionen initiiert, bei denen eine Untersuchung der Aktionen der paraguayischen Regierung in Bezug auf Menschenrechte und den Rechten der ländlichen Gemeinschaften beantragt wurde, mit der Bitte um einen Besuch der Orte und die Befragung der Opfer, der Familien und Freunde und anderer Zeugen.
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Demonstrationen von Campesino - Organisationen in San Pedro
Die letzten Fälle im Jahr 2005 9. Oktober Esteban Hermosilla verschwand am 9. Oktober und wurde am 17. Oktober 2005 im Bezirk Curuguaty im Departement Canindeyú tot aufgefunden. Esteban war von Waldir Presen Da Silva und Wilmar Presen Da Silva von der Joaquín Fernández Martin-Ranch entführt, gequält, ermordet und halb vergraben worden. Sie hatten ihm ein Ohr abgeschnitten und es später seinem Patrón übergeben. Außerdem war das Verschwinden weiterer Landarbeiter angezeigt worden, welches jedoch nie aufgeklärt wurde. 20. Oktober Vertreibung und Niederbrennen von 20 Hütten und Raub von zwei Motorrädern in der Siedlung “3. Juni” im Bezirk Tavai (Departement Caazapá), wo 250 Familien vor mehr als drei Jahren angesiedelt worden waren. Die Vertreibung wurde vom Bezirksrichter des Bezirks Caazapá, Vidal Francia, angeführt, in Begleitung von ca. 50 Polizisten und bewaffneten Schlägern. 18. Oktober Der 15-jährige Adriano Medina verschwand am 29. September 2005 und wurde am 18. Oktober auf dem Grundstück von Ivo José und Douglas Muller tot aufgefunden (Bezirk Iruña, Departement Alto Paraná). 19. September Zwei Polizisten, die vom Eigentümer eines großen Gutes bezahlt worden waren, versuchten, Benito Gavilán zu ermorden, Anführer der Gemeinschaft “María Antonia” im Bezirk Mbuyapey (Departement Paraguarí). Anschließend drangen sie, auf der Suche nach dem Verwundeten, mit Gewalt in die Gemeinschaft ein. Benito konnte nach drei Tagen entkommen und im Krankenhaus stellte man die Zertrümmerung seines Auges durch eine Kugel fest. 24. Juni Die ländliche Gemeinschaft von Tekojoja im Departement Caaguazú wurde durch Polizeikräfte brutal vertrieben: 270 Personen wurden vertrieben, 54 Häuser samt Ernten niedergebrannt, 2 Personen ermordet und viele mehr verletzt, 130 Personen – Frauen und Kinder inbegriffen – wurden festgenommen. Die Vertreibung ereignete sich in Zusammenarbeit mit dem Besitzer einer großen Soja-Farm, Opperman, und seinen paramilitärischen Truppen, die den 20-jährigen Ánel Cristaldo und den 49-jährigen Leopoldo Torres ermordeten sowie 5 weitere Personen verletzten. Bis heute halten sich die 54 Familien in einem unsicheren Lager ohne jegliche Unterstützung auf. Weiterführende Informationen: javierarulli@yahoo.com www.grr.ar Übersetzung: Christiane Reiß, Pro Paraguay Initiative e.V. www.proparaguay.de
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