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1992 - 2020
28 Jahre entwicklungspolitische Arbeit

 

Der uruguayisch - argentinischen Schriftsteller Horacio Quiroga
von Hermann Schmitz † 30.03.2019
12.05.05     Klicks:2656     A+ | a-
Horacio Quiroga hat eine außergewöhnliche, fast schon fatal zu nennende Biografie:
1878 in der kleinen Stadt Salto in Uruguay geboren, stirbt sein Vater einige Monate danach bei einem Jagdunfall; zwölf Jahre lebt Horacio mit der Mutter allein, bekommt dann einen liebevollen Stiefvater, der aber bald schwer erkrankt und fast vollständig gelähmt wird. Der lebensmüde Mann beschafft sich mit großer Mühe ein Jagdgewehr, postiert es auf seinen Füßen und betätigt den Abzug mit den Zehen. Er erschießt sich in dem Moment, in dem der sechzehnjährige Horacio das Zimmer betritt.

Quiroga beginnt zu schreiben. 1897 veröffentlicht er seine ersten Artikel und Geschichten in zeitgenössischen Publikationen. 1900 reist er nach Paris, um Zugang zur literarischen Welt zu finden  -  ohne Glück. Quiroga kehrt nach Uruguay zurück. 1901 erscheint sein erstes Buch „Die Korallenriffe“, ein Jahr später trifft ihn ein weiterer Schicksalsschlag.  Er erklärt einem Freund den Gebrauch einer Pistole und erschießt ihn dabei versehentlich. Quiroga lässt sich in Buenos Aires nieder. Er unternimmt dies und das, einmal begleitet er als Fotograf den Dichter Leopoldo Lugones in den Urwald nach Misiones im subtropischen Nordargentinien. 1905 folgt eine Expedition in den argentinischen Teil des „Gran Chaco“, sie wird ein kompletter Fehlschlag, Quiroga kehrt als gebrochener Mann zurück nach Buenos Aires zurück, wo er als Lehrer arbeitet.

1910 heiratet er die 15 Jahre jüngere Ana María Cires, mit der er nach Misiones zieht, wo seine Kinder geboren werden, die er eigenwillig erzieht. Seine Ehe ist zerrüttet. Seine Frau erträgt ihn und die Wildnis nicht mehr, nimmt Gift und stirbt acht Tage lang qualvoll. Quiroga lässt die Kinder bei der Familie seiner Frau.   Die Söhne Eglé und Darío sollen später der Mutter folgen und sich umbringen, ebenso eine Tochter, Pitóca, aus seiner zweiten Ehe.

1917 geht Quiroga zurück nach Buenos Aires, er nimmt eine neue Arbeit an, 1918 erscheinen die „Cuentos de la Selva“ („Geschichten aus dem Urwald“  -  daraus sind die von mir übersetzten Texte), die er seinen Kindern widmet. Mit 50 verliebt sich Quiroga in eine ehemalige Mitschülerin seiner Tochter, María Bravo, und heiratet sie. Auch sie verlässt den siebzehn Jahre älteren, rastlosen und besessenen Mann.

Mit 59 schließlich nimmt Horacio Quiroga Zyankali, in einem heruntergekommenen Hospital in Buenos Aires und nachdem man ihm mitgeteilt hatte, dass er Prostatakrebs in fortgeschrittenem Stadium hatte. Nur durch den Lebenslauf Quirogas kann man verstehen,       dass seine Geschichten und Fabeln stets von der Jagd und vom Tod handeln. Auffällig und ganz gegensätzlich ist allerdings die Heiterkeit, mit der er von der Jagd, von Gejagten und Jägern erzählt. Vielleicht aber muss man erlebt haben, was Quiroga erlebt hat, um, jenseits tiefster Betrübnis, im Geschriebenen eine solche Fantasie, Heiterkeit und Gelassenheit zu entwickeln.

Quirogas Geschichten mit ihrer Mischung aus Wirklichkeit und Phantasie und ihrer tiefen erzählerischen Leidenschaft sind alle spannend wie sein Leben und bunt wie der Urwald, in dem er ja viele Jahre seines Lebens verbracht hat. Ein guter Zugang zu den Geschichten und der Welt Quirogas ist es auch, die Urwälder von Misiones (soweit noch vorhanden) im Grenzgebiet zu Paraguay und die mächtigen Flüsse Paraná und Paraguay zu bereisen und zu erleben.  

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