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1992 - 2020
28 Jahre entwicklungspolitische Arbeit

 

Besuch im Kinderhort
von Ute Schmitz
17.05.12     Klicks:2997     A+ | a-
Dort, am Ende des Großmarktes  -  wo es  nach  faulen Zwiebeln duftet und nach zu lange „gelagertem“ Müll, wo die Lastwagen der Firma „Pechugón“ (die mit der „Riesenbrust“ ihrer Hühnchen und Hähnchen wirbt) tiefe Spuren in den regenfeuchten roten Sand einfräsen, hart am Spielplatz vorbei  -  dort kann man über dem Eingang einer Halle auf einer Tafel eine mehr als befremdliche Inschrift lesen: „Ñande Rekova“  -  das Guaraní macht die Sache nicht leichter  -  „Unser Platz“ .....ja was denn - hier etwa soll der Hort sein?!

Ja, liebe Freunde, immer noch. Und mehr denn je, denn das lange in Frage stehende Zwischendeck ist endlich fertig geworden, und ich bin heute gekommen um es mir anzusehen.
Ohne Kinderlärm, denn heute ist Konferenztag im Hort. Ich bin von der Autofahrt so steif in den Gliedern, dass ich kaum durch das kleine im Rollgitter eingelassene Törchen nach innen gelange, der Erzieher Gustavo will mir schon zu Hilfe eilen.....
Bald sitze ich mit am Tisch, mir gegenüber Leiterin Elisabeth. Gustavo macht das Foto, der neue paraguayische Kollege Miguel begrüßt mich warmherzig, als würden wir uns schon lange kennen. Neben Elisabeth Daily, Miriam und Julian, der neue Praktikant aus Deutschland (zwei weitere sind noch „in Reserve“ und fehlen heute wegen Krankheit.)

Wir tauschen uns aus, die Broschüre der PPI
„20 Jahre Solidarität“ hilft dabei vorzüglich, zumal man stolz feststellt, dass viele Fotos ihres Hortes darin sind und ich viel über ihn berichtet habe.
Daily fasst zusammen: „Dieses letzte Jahr war das Jahr intensiver Arbeit und großer Erfolge!“

Natürlich gehört der Zwischenstock dazu, aber auch der soeben von der deutschen Botschaft genehmigte Antrag auf Möbel und Einrichtung in Höhe von 8000 Euro.
Die Stimmung ist heiter und optimistisch, ich habe die Eindrücke von draußen längst vergessen. Mit den Breitbrusthähnchenerzeugern „Pechugón“ wird gerade wegen Bereinigung der Außenanlagen verhandelt, der Müll soll in zwei Tagen verschwunden sein  -  außerdem hatte es in den letzten Tagen sintflutartig geregnet.
Die positiven Veränderungen wirken stimulierend. Das Team ist optimistisch.

Jetzt aber an Deck!
Solide gearbeitet, „nicht wirklich“ schön, aber sehr praktisch und nach einhelliger Meinung mehr als überfällig. Freude über den gewonnenen Platz für Kleingruppenraum, Depot, Büro der Leiterin und Leseraum mit kleiner Bibliothek.
Ich hatte mir die Zwischenetage kleiner vorgestellt, sie geht aber über den halben Hortraum, misst bestimmt 80 m2.
Die zähen Auseinandersetzungen mit einem ziemlich eigenmächtigen und säumigen Architekten sind vergessen, aber „der war wirklich nicht berauschend“, so Daily, die besonders wurmt, dass der Typ die durchdachten Vorschläge der Frauen am liebsten in den Wind geschlagen hätte. Da kannte er die aber schlecht! Er musste mehr als einmal klein beigeben.
Die Säule direkt vor dem Waschbecken aber war nicht mehr weg zu bekommen, „doch die Kinder haben sich daran schon gewöhnt, sieht halt etwas blöd aus...“, so schickt man sich drein.















Und so sieht der Raum von oben aus, gar nicht so schlecht, auch Elisabeth ist zufrieden.

Am 18. Mai ist Einweihung, Freunde und Sympathisanten, aber auch offizielle Vertreter aus Behörden und der deutschen Botschaft werden eingeladen. Ich soll „unsere Leute“ zur Teilnahme bitten. (Ich persönlich könnte auf den Botschafter gut verzichten .....)
Für den Tag danach verabreden wir einen Ausflug, „damit wir noch mal so lachen können wie beim letzten Mal, dann muss aber Oscar dabei sein!“ Ich soll das Ziel aussuchen, die PPI zahlt, ich kann mir Großzügigkeit erlauben, das  Einverständnis des Vorstands unserer PPI voraus setzend.

Beim Gang über den Großmarkt muss ich hin und wieder an den Botschafter denken  -   wie Hähnchenkrallen oder lose Stromkabel nach ihm greifen ..... Wirklich ein übler Bursche

Alex, der bald ein ganzes Jahr Praktikum im Hort beenden wird (Juli 2012), war zu Anfang seiner Tätigkeit    im Hort ziemlich frustriert und eher überzeugt, ein schlechtes Los gezogen zu haben  -   mit Paraguay im allgemeinen und dem Hort im besonderen. „Das hat sich gründlich geändert, im Laufe der Zeit habe ich so viel von diesen Kindern bekommen, es wird mit schwer fallen, mich von ihnen zu verabschieden!“
Julian ist seit 4 Wochen dabei und schon „voll drin“, Alex hat ihm sehr geholfen bei der Eingewöhnung.
Beide leben „zwei Leben“, wie sie sagen, einerseits als Gäste von paraguayischen Oberklassenfamilien, denen die soziale Realität ihres Landes eher peinlich ist und die sie ihren Gästen vorenthalten wollen  -  andererseits als Ehrenamtliche in einem sozialen Umfeld arbeitend, das ihnen enorme Anpassungsfähigkeit und pädagogisches Engagement abverlangt.
„Wenn meine Gasteltern wüssten, wo ich arbeite....“, sagt Julian schmunzelnd, beide scheint dieser Spagat zwischen so verschiedenen Welten eher zu belustigen.
Miguel, der Neue, wirkt neben dem launig-kumpelhaften Gustavo zurückhaltender, beide aber haben ihren Draht zu den oft unbändigen Kindern gefunden. Dies ist wohl die einzige Einrichtung in Paraguay, in der gleich zwei Erzieher sich als männliche Bezugspersonen anbieten.
Sollte Clara aus Belgien beim ersten Kennenlernen als zu zart für dieses robuste Kinderhortmandat erscheinen, reicht es, sie bei einer Auseinandersetzung zwischen wilden Jungs agieren zu sehen: Auch ohne laute Stimme und grimmiges Aussehen verschafft sie sich Respekt.
Der Ausflug führt in Landschaften, die nicht nur den drei Volontären, sondern auch den „paraguayos“ unbekannt sind, die in aller Regel selbst ihr näheres Umfeld kaum kennen.
Beide Gruppen freuen sich, „mal raus zu kommen“, man ist bester Laune und dankbar für diese Auszeit.

Essen auf dem Grundstück von Freunden.
Der Nudelsalat von Graciela, Hausmädchen in meiner Pension, kommt gut an.
Es zeigt sich wieder einmal, wie wichtig ein solcher „Betriebsausflug“ für den Zusammenhalt des Teams ist. Das geteilte Erlebnis schafft eine Grundlage für gegenseitiges Verständnis und für gemeinsames Handeln. Die Leiterin liest die Ergebnisse einer jeweiligen Beschreibung der Teammitglieder vor:Alle werden richtig erraten aufgrund ihrer positiven Bewertung als Person und Kollege/in.

Daily erhält die Nachricht, dass ihre Mutter in Buenos Aires  im Sterben liegt. Sofort wird alles Notwendige organisiert, um ihr die schnellstmögliche Reise in die argentinische Hauptstadt zu ermöglichen. Sowohl die lebhafte Sorge Daily´ s um ihre Mutter als auch die herzliche Solidarität des Hortteams mit ihrer Kollegin berühren mich sehr.

Abschluss der Fahrt im Eisenbahnmuseum Paraguays: Historischer Schatz, einstmals der Stolz der Nation.

Auf der Rückfahrt ruhen Alex und Julian nicht eher, als bis wir eine Kneipe finden, in der ein Fernseher das Europacupspiel Bayern München gegen Chelsea überträgt. Bayern verliert, Alex ist traurig.

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