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1992 - 2020
28 Jahre entwicklungspolitische Arbeit

 

“Sechs Wochen nach Lugos Amtseinführung”
von Hermann Schmitz † 30.03.2019
21.08.08     Klicks:2286     A+ | a-
Ernüchterung hat sich breit gemacht in Paraguay. Ein paar Erfolge bei der Strafverfolgung korrupter Zollchefs, kostenlose Gesundheitsbehandlung, einige hoffnungsvolle Gesetzesvorlagen  -  und eine gute Performance des neuen Staatschefs im Ausland bis in die USA:
Ist ja ganz schön  -  aber „Aufbruch“? Oder gar „Wandel“?
Die alten Mächtigen machen geschlossen Front gegen Lugo, die Großgrundbesitzer wollen noch größer werden, die Mafia ist quicklebendig wie eh und je, die Schmuggler schmuggeln an Tausend heimlichen Häfen und Grenzstellen  -  alles wie gehabt.
Schon das Wahlbündnis für Lugo war ein reines Zweckbündnis gewesen, jetzt driften die Einzelgruppen weiter auseinander, und die sozialen Bewegungen insgesamt betreiben das Spiel, welches sie schon immer gut beherrschten: Spalten, Trennen, Fürsichselberwurschteln.
Und Neugründen  -  „Wir machen einen eigenen Laden auf!“, möglichst mit salbungsvollem Namen und schöner Abkürzung....
Lugo hat keine Partei, keine Hausmacht hinter sich, er hat kein geschlossenes Regierungsprogramm, für das er steht. Lugo ist keineswegs beliebig, aber sehr flexibel, hat viele Zugeständnisse machen müssen.
Und er schleppt Altlasten mit sich, die einen gruseln lassen. Die Staatskassen sind gähnend leer, bei den Institutionen gilt „Alles im roten Bereich“, eine völlig versaute Justiz und Verwaltung und ein Parlament, in dem kaum eine Mehrheit zu organisieren ist, taugen nicht zur Verschönerung des Panoramas.

Doch auch in Paraguay gilt der Satz „Die Hoffnung stirbt zuletzt“.

Die „Hundert Tage“ sind noch nicht vorbei, der Veränderungsprozess dauert so lange, wie es die Realisten wussten, an Lugos gutem Willen wird nicht gezweifelt, die Zustimmung zu seiner Amtsführung ist nach wie vor hoch.
Alles scheint im Tempo der alten holzbefeuerten Dampfeisenbahn zu gehen, die immer noch die Strecke von Asunción zum Städtchen Areguá am Ypacaraí – See für Touristen unter die schweren Eisenräder nimmt  -  40 km in zwei Sunden.
Bei der letzten Tour war Lugo dabei, zum Volkstümeln und zur Beflügelung des Tourismus. Es war sein Tempo. Wunder dauern eben etwas länger.

Kleine Wunder passieren immer wieder im Land, wie in folgender Geschichte beschrieben. Dass inzwischen der Widerstand gegen den weiteren Ausbau von Sojamonokulturen auf breiter Front steht und  -  zum Ärger der Sojamultis und Sojagroßgrundbesitzer  -  nicht mehr zum Verstummen gebracht werden kann, ist aber das eigentliche Wunder in einem Land, dessen Bewohner klassischerweise als friedfertig  -  sprich: alles ertragend  -  gelten.

Das Wunder von La Pastora

„La Pastora“  -  der Name hatte es mir angetan. Und die Schlagzeilen zu dem dort stattfindenden Konflikt rund um den angekündigten Sojaanbau.
Schon die Reise beginnt mit einem kleinen Wunder: Eine richtige Asphaltstraße führt nach La Pastora, ein Abzweig von der Überlandroute 2 von immerhin 25 km Länge, der sich durch eine leicht hügelige, fast lieblich zu nennende Landschaft schlängelt, in der sich Viehweiden, Mais – und Zuckerrohrfelder und kleine Baumgruppen aus Paraísobäumen abwechseln. Dieses Bild wird ergänzt durch eine wenn auch arg geflickte Urwaldkulisse als Hintergrund. Auch von weitem kann man erkennen, dass da der ein oder andere Urwaldriese überlebt hat, als habe man aus einem Restgefühl an Achtung vor der Natur wenigstens ein paar Zeugen für die Nachwelt übrig gelassen.
Leider wird auch hier altes Grasland abgefackelt, ein einzelner Reiter legt Feuer vom Pferderücken aus und flieht dann im Galopp vor den Flammen.

Pastora kündigt sich durch die ersten kleinen Holzhäuschen an, die mit ihrem verschieden farbigen Anstrich aus dem Grün leuchten. Ein Ort, der „Schäferin“ oder “Hirtin“ heißt, verspricht ja allein durch seinen Namen eine ländlich – friedliche Idylle.
Und hier soll ein so heftiger Konflikt um den Sojaanbau in Paraguay toben?! Auch als wir in den kleinen Ort hinein fahren, erleben wir keinerlei Hinweis auf Spannungen. Im Gegenteil, ein freundliches, fast heiteres  Bild präsentiert sich uns,  vermittelt sowohl durch die Bewohner als auch durch die von Bäumen gesäumten roten Sandwege, die in sattem Grün leuchtende gepflegte Plaza mit ihrer schmucken pastellfarbenen Kirche und die Reihen einfacher Häuschen, unterbrochen hin und wieder von Kramläden mit altmodischen Reklameschildern.
Es ist schon fast dunkel, das Haus von Bürgermeister Britos ist trotzdem schnell gefunden.
Wie freundlich die Leute hier sind!
Der Bürgermeister ist nicht zu Hause, seine Frau, eine Lehrerin, erklärt uns den Weg zur kommunalen Werkstatt, wo wir ihn im Gespräch mit Bauern finden, die eine Maschine zur Bodenbearbeitung ausleihen wollen.

...und
Den Namen des in Paraguay allseits bekannten Menschenrechts – und Umweltaktivisten Martín Almada, ein Freund des Bürgermeisters, hätten wir als Referenz gar nicht nennen brauchen  -  auch so sind wir herzlich willkommen und sofort im Gespräch. Intendente Britos berichtet:
„Unser Ort ist schon besonders, hier geht es friedlich und solidarisch zu, es gibt keine Überfälle und keine Einbrüche, jeder passt auf den anderen auf. Die Leute haben mich gewählt (Britos ist Liberaler), weil sie die ewigen Colorados leid waren und sich trauten, einen zu wählen, den sie wirklich wollten. Und mich wollten sie.“
Über diesen Bürgermeister hört man im Ort viel Positives  -  transparenter Haushalt, Bürgernähe, Programme für Jugendliche, Schulungen sind die Stichworte.
Und Umweltschutz! In Paraguay! La Pastora hat sich ernsthaft und mit Engagement den Schutz der Umwelt  -  Wasser, Wald (was davon noch übrig ist), Böden, Luft, Öko-Landwirtschaft  -  auf die Fahnen geschrieben.
Und da sind wir beim Thema: Zwei große Estancias grenzen an das Municipio La Pastora, die „Emiliana“, deren Besitzer zu der bekannten Familie Heiseke gehört. (Ein Martin Heiseke ist gerade eben zum Wirtschaftsminister ernannt worden), und die Estancia der Familie Campos Riera.

Sojaanpflanzungen auf dem Gebiet beider Estancias sind geplant. Jeden Tag können die Traktoren, die Rodungs- und Pflanzmaschinen kommen und auch hier die Sojasaat in die aufgebrochene rote Erde spucken.
Aber La Pastora soll nicht zu „La Pastora Sojera“ mutieren, die Anwohner sind gewaltig dagegen!
Ihre Argumente sind nicht schlecht.
Unter Umweltgesichtspunkten nennen sie als erstes den gewaltigen Flächenverbrauch durch die sich immer weiter ins Land fressende Soja, geopfert werden dabei auch noch die letzten Reste an Urwald.
Dazu gesellt sich die Schädigung von Mensch, Tier und Natur als Folge der Ausbringung des speziellen, für genmanipulierte Soja erforderlichen Pflanzengifts.
Zu viel, zu oft, zu nah  -  nach dieser Devise wird gespritzt, was die Düsen aus den Gifttanks hergeben. Viele Menschen in Paraguay sind schon krank geworden.
Ein riesiger „Esteral“, ein Feuchtgebiet mit beinahe ursprünglich erhaltener Fauna  und Flora, wird womöglich durch die Giftrückstände unwiederbringlich zerstört, auch dagegen machen die Bauern von La Pastora mobil.
 Selbst bei inzwischen drei Ernten pro Jahr  -  Turbosaat macht es möglich  -  ist der Einsatz an Arbeitskräften minimal. Kein Gewinn also an dringend benötigter Beschäftigung in einer Gegend, aus der Jugendliche und Qualifizierte ständig abwandern.
An friedlicher Landschaft kann man sich nur satt sehen, nicht satt essen.
Wir besuchen die „Bürgerwehr“ der Pastorenser noch am gleichen Abend an ihrem Versammlungsort, der einige Kilometer entfernten Kapelle irgendeiner Jungfrau.

Im schwachen Licht schiefer Leuchtröhren sitzen und stehen Frauen, Männer, Alte und Kinder um die unscheinbarste aller Kapellen herum, weit über hundert an der Zahl.
Wenn man so manchen Bericht in den paraguayischen Medien liest, hätte man hier eher eine Guerillatruppe vermutet .....
Sind das die gefährlichen, womöglich gewaltbereiten Campesinos, die hier fremdes Eigentum bedrohen?
Oder sind das nur mutige Bürger, die außer durch ihren massiven, die Grenzen des Rechts auslotenden Widerstand keine Möglichkeit sehen, ihren bedrohten Lebensraum zu verteidigen?
Jetzt kommen  der Bürgermeister, der Vorsitzende der Junta Municipal und ein Anwalt hinzu. Allerdings scheinen diese Berufsbezeichnungen nicht recht zu den drei Männern in ihrem einfachsten Outfit zu passen.

Wie in Paraguay üblich, wird viel geredet  -   und von vielen. Vor allem von denen, die vorn in einer Reihe mit dem Bürgermeister auf einer langen Bank sitzen, hinter sich die üppig mit falschem Schmuck behangene Jungfrau, unter der, eingerollt auf einer schäbigen Matratze, schon ein paar Kinder schlafen, und vor sich eine bunte Schar von Bewohnern der Zone, die heute Wachdienst haben. Warum so viele? Man scheint gern ein Übersoll an Präsenz zu erfüllen.
Mütter mit schlafenden Kindern an der Schulter, drahtige Campesinos mit scharf geschnittenen Gesichtern, die Jugendlichen, wie meistens in Paraguay, in einigem Abstand im Hintergrund  -  auch einige zünftige Alte mit riesigen Sombreros sind gekommen. Unter ihnen immer noch viele wache Kinder aller Altersstufen  -  wach im Doppelsinne, denn auch sie scheinen aufmerksam den sich in die Länge ziehenden Ansprachen zu folgen.
Es ist, als wollten sie sich noch einmal  aller Gefahren vergewissern, die nach ihrer Meinung mit der anbrandenden Sojawelle droht.

Anwalt Carlile, der alle drei Monate ein karges Entgeld von 1 Mio Guaraníes für seine eher ehrenamtliche Beratungstätigkeit für La Pastora erhält, fasst in auch für mich verständlichen Worten noch einmal die Rechtslage zusammen:
Ein für vier Wochen ausgehandeltes Moratorium verbietet es den Estanciabesitzern, mit der Anpflanzung von Soja zu beginnen, die Campesinos wurden zu striktem Gewaltverzicht aufgerufen, irgendwann soll entschieden werden.
Schutz vor Gefahr an Leib und Leben gegen freies unternehmerisches Schaffen, dazwischen verläuft die komplizierte Linie der Juristerei. Anwalt Carlile:
„Dieser Rechtsstreit ist nicht ohne Tücken. Die Gesetzeslage ist in Paraguay vermutlich nicht viel schlechter als bei euch in Deutschland (wo er übrigens schon zwei Mal war), aber hier werden die Paragrafen  abenteuerlich gedehnt und gebeugt, und bislang hat noch immer der Mächtigere und Zahlungskräftigere gewonnen.“
Nachdem der Bürgermeister seine Abschiedsworte gesprochen hat, verlaufen sich die Familien, in gespenstischer Eile und fast geräuschlos, in die Dunkelheit, wo ihre Hütten auf sie warten.

Als ich am folgenden Tag  versuche, mir das Gelände der Estancia Emiliana anzusehen, scheitere ich kläglich an dem dortigen Polizeikommando.
Die vier auf dem Gelände der Estancia in einem Häuschen amtierenden Ordnungshüter verlangen meinen Pass zu sehen.
Mein Hinweis, dass sie auf mich eher wie eine private Wachmannschaft des Estancieros  wirken, denen ich ungern meine Papiere unter die Nase halte, fruchtet nichts  -  das Recht scheint auf ihrer Seite.
Nach korrekter und nicht unfreundlicher Ausübung ihrer staatstragenden Pflicht kommt lockere Unterhaltung am Zaun auf, die sogar auf eine Art Verbrüderung hinaus läuft. Der Kommissar:
„Wir machen hier unseren Job. Natürlich können wir die Campesinos und ihren Protest verstehen“  -  und er fügt hinzu:
„Wenn das hier meins wäre“, und er zeigt auf das hinter ihm liegende Häuschen, „würde ich Sie gern einladen zu einem Tereré.“ Der kalte Matetee verbindet wie sonst nichts in Paraguay.

Aber dies ist nur ein kleines Wunder.
Das eigentliche „Wunder von La Pastora“ geschah vor einigen Tagen, als Martín Almada, auf der Höhe der Auseinandersetzungen, am gleichen Ort war. Neben seinem unermüdlichen Einsatz für die Menschenrechte ist Almada auch eine engagierter Umweltschützer.

So war es für ihn keine Frage, den Kampf der Pastorenser um den Erhalt ihres Lebensraumes zu unterstützen. Er hat offensichtlich auch einen Riecher dafür, wann sein Erscheinen hilfreich sein kann ...
Und da steht er nun also auch vor dem Estancia ....
Der Kommandant der örtlichen Polizei, die beim ´Schutz´ der Estancias mit eingesetzt wird, empfängt den berühmten Bürger am mächtigen Eingangsportal der Estancia Emiliana:
„Señor Almada, auch Sie dürfen hier nicht rein, ich habe vom Distriktrichter den Auftrag, jeden abzuweisen, um das Privateigentum zu schützen .... Außerdem ist es zu spät, die Bauern waren so aufsässig, dass morgen früh die ´cascos azules´ (Blauhelme) anrücken mit dem Auftrag zu ´reprimieren´“ (Reprimir bedeutet in aller Regel Draufhauen ....)

Der geübte Troubleshooter Martín Almada, Lehrer, Volkserzieher und Psychologe, entgegnet: „Señor Comandante, Sie sind ein erfahrener Mann, außerdem ein ehrbarer und anständiger Bürger. Sie werden doch nicht zulassen, dass Blauhelme ohne Grund auf wehrlose Campesinos eindreschen, womöglich auch auf Frauen und Kinder!“
„Con todo respecto, Señor doctor, aber ich habe einen Befehl. Außerdem haben die Campesinos mit Gewalt gedroht!“
„Muy estimado comandante, es bleibt doch bei der Drohung, Sie wissen doch, dass unsere Bauern eigentlich sehr friedlich  sind.
Und bedenken Sie, es sind Ihre Brüder und Schwestern!“
Jetzt zieht der Polizeiobere seinen letzten verzweifelten Trumpf gegen so viel Einrede aus der Tasche:
„Versetzen Sie sich in meine Lage, Almada, ich habe noch  genau einen Monat Dienst bis zu meiner Pensionierung vor mir. Soll ich die Streichung meiner Rente riskieren!? Ich habe schließlich Frau und Kinder!“
„Sie wissen, comandante, dass ich auch Anwalt bin, Sie bekommen die beste Verteidigung, die Sie sich denken können“, so darauf Almada, ein Argument, das den Colorado – Beamten nicht zu  überzeugen scheint, ist dieser Anwalt doch einer der schärfsten Widersacher derer, die ihn beschäftigen.
Aber er hat eine Idee, er hat nachgedacht, eine bei paraguayischen Ordnungskräften seltene Tugend, außer wenn es um das Umleiten von Geldern in die eigene Tasche geht ....
„Ich mache Ihnen einen Vorschlag, Señor abogado, überzeugen Sie die Campesinos, bis morgen früh ihre Blockade aufzuheben und abzuziehen, dann kann ich vielleicht etwas tun ......“

Der Schluss ist schnell erzählt: Wenn die Bauern einem vertrauen, dann ist es Martín Almada.
Also folgen sie umstandslos seiner Bitte  -  und als am nächsten Morgen die „cascos azules“ erscheinen, finden sie keinen einzigen Protestler und nicht einen gewaltbereiten Campesino. Aber das Beste: Der Kollege vor Ort, el comandante, hält sich bedeckt. Kein Wort des Verrats .
Die Blauhelme warten noch bis zum Mittag, dann ziehen sie ab.
Ob nun Wunder oder gelungene Deeskalation: Almadas Aktion hat wieder einmal Erfolg gehabt, vielleicht sogar Tote, bestimmt aber Verletzte verhindert.
Und  -  apropos Wunder: Womöglich ist es sogar der Beginn einer wunderbaren Freundschaft zwischen dem Coloradogegner Almada und dem Comandante colorado .....

La Pastora ist nur ein Beispiel für den wachsenden Widerstand gegen den weiteren Vormarsch der Sojamonokulturen in Paraguay.

An die 3 Millionen ha paraguayischen Bodens sind bereits mit Soja bepflanzt, die Lobby der „sojeros“ ist äußerst mächtig und übt starken Druck auf die Regierung aus. Sie versprühen ihre Giftmischungen  unter anderem auch auf den von der Landbehörde berechneten 8 Millionen ha Grund und Boden, welche ungesetzlich und nach „Amigo“verfahren den Mächtigen zugeschanzt wurden.
Lugo verteidigt nach wie vor die bäuerliche Subsistenz – und Kleinwirtschaft, griff zuletzt sogar das Soja – Agrobusiness scharf an, in seiner Rede Ende September vor der UNO – Vollversammlung:
Wenn in seinem Land Kinder wegen Pestiziden stürben, sei dies auch eine Form von Terrorismus  -  die Sojabarone heulten auf.
Jetzt ist die Zeit der Sojaaussaat (siehe La Pastora),Tausende Campesinos versuchen verzweifelt, mit Besetzungen, Sperrungen und in über hundert Zeltlagern, den Sojavormarsch zu stoppen. Für sie eine Frage des Überlebens.

Wird die Regierung des Exbischofs, in dessen ehemaliger Diözese der Kampf am heftigsten ausgetragen wird und der die Nöte der Landbevölkerung hautnah erlebt hat, zumindest einen Ausgleich schaffen zwischen den divergierenden Interessen?
Die Staatskassen sind von den abservierten Colorados geplündert worden, jede Abgabe auf die Tonne exportierter Soja wird von der Agrarlobby als Ruin erklärt (die Abgaben sind die niedrigsten in Südamerika!), aber wenn es nicht bald sichtbare Verbesserungen  gibt, drohen in der Tat ehemals als unendlich duldsam gekannte Paraguayer zu rabiaten Aufständischen zu werden.
Alte Wut in Verbindung mit neu gewonnener Freiheit  -  das ist die brisante Mischung. Dabei wird die neue Freiheit durchaus immer noch teuer bezahlt: Hunderte von Campesinos sind in Haft, ihre Zeltlager sind nieder gebrannt, ihr Protest wird als Terrorismus diffamiert, wozu sich auch Teile der Presse hergeben.
Ist Lugo zu flexibel? Der Weg Venezuelas oder Boliviens würde in Paraguay eher in eine Sackgasse führen  -  wendet sich Lugo deshalb in letzter Zeit eher einer gemäßigten Bachelet Chiles oder einem Vásquez Uruguays zu?
Müsste er nicht notfalls  mit Dekreten regieren?
Dies alles sind Fragen auch und besonders rund um das Sojaproblem.
Die allerwichtigste, die soziale Frage nach wirksamer Hilfe für die Elenden des Landes, bleibt bislang  -  Soja hin oder her  -

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