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1992 - 2020
28 Jahre entwicklungspolitische Arbeit

 

Bericht zur Lage in Paraguay
von Hermann Schmitz † 30.03.2019
06.06.14     Klicks:7598     A+ | a-
Als wäre nicht  genug gescherzübelt worden auf Kosten der paraguayischen Bürger, als irgend ein Institut .... rräusper! ... ihrem Land  die beste Luft ....hust grr... Südamerikas bescheinigte , erfahren wir  jetzt auch noch das Ergebnis einer Gallup-Umfrage, wonach ihr Land so ziemlich an der Spitze der Glücksskala Südamerikas liege   -  wow!!
Was für ein Schlag ins glücksstrahlende Antlitz des  Paraguayers.....
Es sei vor allem die Kultur Lateinamerikas mit ihren positiven Emotionen , die zu diesem Ergebnis führe, versuchen die Meinungsmacher das Unerklärliche zu erklären. Diese Kultur konzentriere sich mehr auf die positiven Aspekte des Lebens. Wir hingegen erklären es uns so: Die Meinungsmacher haben sich offensichtlich zu lange in Paraguay aufgehalten, haben zu viel von der gifthaltigen, nachweislich Gehirnschäden verursachenden Luft geatmet, die verseucht ist von Tausenden Tonnen Glyfosat für die Sojafelder, die das Land bedecken.  Sie flohen dann in die Hauptstadt, wo sie die ungefilterten Abgase Tausender von Schrottbussen einatmeten. Den Befragten unter dem Bevölkerungsdrittel der Armen  und dem weiteren Drittel der Allerärmsten spendierten sie Coca Cola und Hamburger bis zum Abwinken  und spielten die US-Hymne ab.Als die national gesinnten Paraguayer stattdessen ihre eigene Hymne erklingen ließen, war das Umfrageergebnis klar  -  und  so wurden sie südamerikanischer Meister  wenn schon nicht im Fußball, so doch wenigstens im Glücklichsein ....

Der Präsident und der Armenpriester

Passend für diesen Newsletter erreicht uns heute (am 3. Juni) eine Mail von Pater Oliva, den ich um ein paar Erläuterungen gebeten hatte. Ich werde ihn im Original zitieren. An dieser Stelle nur seine Bemerkungen zu Präsident Cartes: „Hermann   -   diesen Nachmittag komme ich dazu, dir zu deinen Fragen zu schreiben: Man führt uns in Paraguay immer weiter weg von dem, was wir wollen! Horacio Cartes, seit gut einem Jahr im Amt, ist Unternehmer, der in erstaunlicher Geschwindigkeit sein Geschäftsimperium aufgebaut und ein Riesenvermögen angehäuft hat. Völlig ausgeschlossen  -  erst recht in einem Land wie Paraguay  -  dass es dabei mit rechten Dingen zugegangen sein könnte, und diese Negation ist noch verharmlosend. Er hat alles und alle gekauft mit seinem Geld, auch die zahlenmäßig stärkste Partei des Landes. Wenn die Sache gut läuft für ihn, erhöht er seinen Einsatz, d.h. vervielfältigt die Investition. Das Problem ist, dass er halb Paraguay außen vor lässt. Was will er mit dieser Hälfte? Zunächst macht er, was er am besten kann, kauft diese Hälfte, damit sie schweigt. Dann verwickelt er die Leute in Probleme mit der Justiz, bietet ihnen einen Ausweg  daraus, wenn sie sich kaufen lassen. Die dritte Option heißt „Liquidieren“, wie im Falle (des arrangierten Massakers mit 17 Toten) von Curuguaty, das in diesen Tagen entschieden wird. Ich werde dir davon berichten, weil ich mit dieser schrecklichen Sache befasst bin. Die Indigenen kriegen, damit sie nicht nerven, eine Tracht Prügel, wie Hunde, die verschwinden sollen. Mit den Campesinos haben sie es nicht ganz so leicht, die sind organisiert,da gibt man hin und wieder einen Mord in Auftrag. Opfer sind Bauernführer, die sich zu weit vor gewagt haben, und ein Zweck ist auch die Verbreitung von  Angst.
(´Es kann jeden von euch treffen!´)“ ......So weit Francisco Oliva zu Präsident Cartes

Die „rote Litfaßsäule“

In auffallender Zurückhaltung übte  sich Präsident Cartes bei der Jubelfeier zum 30jährigen Bestehens der „Colorados“ und ihrer Partei im Mai. Als wolle er neutral erscheinen, trug er “nur“  ein weißes Hemd und  präsentierte sich nicht, wie in all den Jahren als die gewohnte rote Litfaßsäule. Die strengen Traditionalisten waren etwas getröstet, weil wenigstens das rote Tüchlein den cartesischen Hals schmückte.Der große Platz zwischen Parlament und Kathedrale  aber war ein einziges rotes Meer, von den Anhängern als „ola colorada“ (rote Welle) gerühmt.Unsere Partner, die das Spektakel verfolgt haben, zeigten sich fast erschreckt wegen der sehr aufgeheizten Stimmung, die ein Freund  als „zwischen triumphal und  gewaltträchtig“ beschreibt.
„Wir Colorados sind wieder da, um nie wieder zu gehen!“, so die vorherrschende Losung, die allerdings für die liberalen Kräfte im Land einer Drohung gleich kommt.Ich selber hatte diesen Platz zuletzt 2008 beim Wahlkampf der Colorados gegen Präsidentschaftskandidat Fernando Lugo erlebt. Es war ihre letzte Vorstellung, bei der sie sich, wie gewohnt, ihres Sieges allzu sicher waren. Einen Tag später, bei Lugos letzter Kundgebung vor dem Urnengang, herrschte eine völlig andere Stimmung, geprägt von einer freiheitlichen, beinahe fröhlichen Atmosphäre,  die durchaus auf ein „Neues Paraguay“ hoffen ließ  -  unter einem  Präsidenten Lugo, der dann ja auch, einem kleinen Wunder gleich, die Wahl spektakulär für sich entschied. Woraus dann bekanntlich nur eine Regierungszeit von 4 Jahren wurde, immerhin mit einem deutlich wahrnehmbaren Wandel zu mehr sozialer Gerechtigkeit, begleitet von einer nicht gekannten Unterstützung durch zivilgesellschaftliches Engagement.

Cartes „sozial ungeduldig“

Cartes, zum caudillo  nicht geeignet und folglich ein eher moderater Redner, dankte „den Massen der Wähler“, welche dem „Coloradismo die Rückkehr in die staatliche Administration“ ermöglicht hätten. Besser hätte er es nicht sagen können: Wie eh und je  -  abgemildert nur in den vier Jahren der Lugo-Administration  -  ist alles staatliche Treiben, werden alle behördlichen und Dienstleistungen, vom Amt für Briefmarkenentwürfe bis zum Zoo, von treuen Parteigängern erfüllt. Bzw. eher nicht. Er räumt eine „soziale Ungeduld“ ein, beschuldigt gebetsmühlenartig die Vorgängerregierung des liberalen Federico Franco (der sich Fernando Lugos letztes Amtsjahr geklaut hatte) der Verschwendung und der Korruption und verspricht, niemals „in Unehrenhaftigkeit zu verfallen“. Wie schön.
Was die Opposition und alle kritischen Kräfte im Land  energisch ablehen, nämlich die „Alianza Pública Privada“ (Öffentlich Private Allianz“), streicht Cartes als epochales Vorhaben heraus, durch das Paraguay nach vorn katapultiert werde. Das ist natürlich mehr als zweifelhaft, sicher dagegen ist die brutale Landung für die Armen, ist doch wie immer Ziel solcher ökonomischen Experimente kurzfristig die Bereicherung durch Korruption, und langfristig profitieren von den Geschäften nur die Reichen. (Wenn Allianzen baden gehen, zahlt der Staat, das kennen wir).Letzlich handelt es sich um eine Art Ausverkauf des Landes an die Meistbietenden: Die Zauberformel wird dann nur den Investoren, besonders den ausländischen, gedient haben.
Sie sind noch reicher geworden, der Staat und die Bürger fangen wieder bei Null an.

Diese Lösung ist denn auch eher eine Losung „Füllt euch die Taschen mit dem Geld, das die ausländischen Raubtierkapitalisten auf dem Rücken eurer ausgebeuteten Landsleute zusammen raffen und mit dem sie euch  schmieren!“
Gegen ein vom Präsidenten selber ins Spiel gebrachtes „Schmiermittel“ hagelte es jetzt erfreulicherweise Proteste. Seine Methode zur Anlockung von Investoren umriss er mit einem Satz:„Steuerparadies Paraguay, Destination  schöner Frauen!“  Passend dazu hatte Cartes schon in einer Rede betont, sein Land Paraguay  müsse daher kommen „wie ein schönes, leichtes Mädchen ....“ Beim Anlocken von Kapital, versteht sich. In einem 20minütigem Video des Wirtschaftsministeriums wird diese doppelte Botschaft mit einem leicht bekleideten Topmodell „unterlegt“. Grauenhaft! (Da haben wir von der Würde der Frauen noch gar nicht gesprochen.)

Und weiter geht´s mit der Rede leerer Versprechungen.
 „Investitionen für die Ärmsten“ stellt er vor: Das Geld solle von den beiden Kraftwerken Itaipú und Yacyretá kommen  -  und zwar genau „das große Geld, welches früher für Luxus „verschwendet“ worden sei. Davon sollen u.a. Campesinos ohne Land die besten Ländereien im Departament Alto Paraná bekommen. Dazu muss man wissen, dass die beiden Kraftwerke einen nebulösen, für Korruption bestens geeigneten Geldfond verwalten, genannt „Royalties“.  Streng nach Wohlverhalten, werden ein paar Projekte mit dem Geld  finanziert, das nach der üblichen „Selbstversorgung“ übrig geblieben ist. (Unsere aufmüpfigen Partner von der Landwirtschaftsschule und der Campesino-Kooperative in Juan de Mena z. B. gehen regelmäßig leer aus, ihnen fehlt die richtige Einstellung zum Staat...)
Zu seinen fantasievollen Versprechungen gehörte auch eine Ankündigung, die mich ganz besonders aufhorchen lässt: Nicht weniger als die „Auferstehung“ der holzbefeuerten Eisenbahn stellt er in Aussicht, eine der ersten Eisenbahnen in Südamerika aus dem Jahr 1857, vom Diktator „Mariscal Francisco Solano López“ gebaut  -  und seit ca. 30 Jahren als normales Verkehrsmittel vom Gleis genommen, vor 6 Jahren auch  noch ihrer Kümmerform beraubt, einem  Kurz-Dampftrip von der Station „Zoologischer Garten“ der Hauptstadt bis an den Ypacaraí-See. Niemand war darob trauriger als wir, die wir während unserer Vertragszeit an der Goetheschule (1973 bis 77) nostalgische Fahrten mit diesem wunderbaren Fossil gemacht hatten.

Papst Francisco, der angeblich Paraguay besuchen will, wird Cartes sicher an  seine Versprechen erinnern! (Ob der Papst auch seinen von Radio Vatikan gemeldeten Vorschlag wiederholt,die tapferen Frauen Paraguays für den Nobelpreis vorzuschlagen?) Wir sind auch gespannt zu erfahren, ob es stimmt, dass der paraguayische Jesuitenkollege und Mitbruder aus argentinischen Zeiten, Pater Francisco Oliva (der auch durch diesen Text geistert) als Kandidat für den Friedensnobelpreis gehandelt wird. Die beiden Franciscos, der Argentinier und der Spanier, kennen sich sehr gut durch lange Jahre gemeinsamer Sozialarbeit in den Armenvierteln von Buenos Aires, wo sie viele Exilparaguayerinnen und - paraguayer betreuten, eine Arbeit, die bei beiden Spuren hinterlassen hat: Den einen führte es in die Elendsgebiete der paraguayischen Hauptstadt Asunción, den anderen zu einer aus Erfahrung gespeisten Wertschätzung der Menschen Paraguays,nicht nur der Frauen....

Zur Lage der Campesinos

Während die Rede des paraguayischen Präsidenten durch die traditionellen, aus tausenden Kehlen gleich Rülpsern aufsteigenden Hurrarufe unterbrochen wurde, gab es an einem anderen Schauplatz wütende Pfuirufe und Wutschreie. Sie galten dem selbst für paraguayische Verhältnisse  schrecklichen Richter Rachid . Dieser Richter war Herr des Verfahrens zur Aufklärung eines ebenfalls beispiellosen Verbrechens, das  vor zwei Jahren stattfand und mit 17 Toten endete. Ein wahres Massaker, das eine Erschütterung ausglöst hatte wie kaum  eines des an Gräueltaten gewiss nicht armen Landes. Sieben Polizisten und acht Campesinos wurden Opfer der brutalen Räumung eines angeblichen Privatbesitzes nahe der Kleinstadt Curuguaty. Die an der Landbesetzung beteiligten Campesinos wurden umstandslos für alle 17 Tote verantwortlich gemacht, unter Missachtung aller Verfahrensregeln und vermittels zahlloser Täuschungen. Gleichzeitig hatte man, wie bestellt, einen Vorwand, den ungeliebten Präsidenten Fernando Lugo in einem Hauruck-Verfahren aus dem Amt zu jagen mit der Begründung, er stifte Campesinos zur Besetzung von Privatbesitz und zur Gewaltanwendung an.

Mehr als zwei schreckliche Jahre für die Beschuldigten und ihre Familien sind vergangen, besonders schlimm für die fünf Männer und Frauen, die einen bis an den Rand  des Todes führenden Hungerstreik durchführten . Konnten die zahllosen Symphatisanen der sieben beschuldigten Campesinos bereits die schlagkräftigen Fakten zu einem stimmigen Puzzle zuammen setzen, das alle Facetten der Anklage widerlegte, so gibt es nun endlich auch einen belastbaren Beweis für die menschenverachtende Instrumentalisierung von Unschuldigen für ein schmutziges politisches Geschäft. Durch den Leiter der Landbehörde Indert (Instituto Natcional de Desarrollo Rural y de la Tierra = Institut für ländliche Entwicklung) höchstpersönlich ist nämlich endlich bewiesen,  dass die besetzten Ländereien kein Privatbesitz sind, sondern dem Staat gehören.

Damit ist der Straftatbestand „Invasion von Privateigentum“, der in bewusster Täuschung über die gesamte Dauer des Prozesses  her halten musste,  vom Tisch. „Bilden einer kriminellen Vereinigung“, auch dieser Anklagepunkt fiel runter. Den 17 Toten waren zwei weitere gefolgt, Vidal Vega und Hermenegildo Garcete, heimtückisch ermordet, weil sie Augenzeugen waren, z. B. der Hinrichtung von mindestens zwei verwundeten Campesinos  durch Kopfschusse aus Polizeiwaffen. Ein weiterer gravierender Mangel ist das Unterbleiben einer Autopsie der Leichen der ermordeten Campesinos oder das Verschwinden der Geschosshülsen großkalibriger Waffen.

Fazit: Die zwölf beschuldigten Campesinos müssen als unschuldig gelten! Pater Oliva, ein unübertroffener Optimist, drückt in Frageform die Möglichkeit eines korrekten  Ausgangs des Verfahrens aus: „(An)erkennt die Justiz ihre Irrtümer, nimmt die Anschuldigungen zurück und lässt die Campesinos frei? Wird sie ernsthaft die Morde an den Augen - und Ohrenzeugen Garcete und Vega untersuchen, um heraus zu finden, ob es verdeckt handelnde Polizisten waren oder ein Killerkommando der Sojabarone?“

Dr. Martín Almada, der bei allen schrecklichen Geschehen in Paraguay nicht seinen  (schwarzen) Humor verliert, ließ zu dem Prozess und seinem Leiter verlauten: „Richter Rachid erlärte die Menschenrechte zur ´persona non grata´!“ Und er weist die Fälscher in der Justiz darauf hin , dass  ihr Verhalten von den Bürgern überprüft wird und dass sie eines Tages Rechenschaft werden ablegen müssen.
In ungewöhnlicher Weise gibt Pater Oliva, Partner der PPI und oft befragter und zitierter politischer Kopf, eine Parteinahme, ja geradezu ein Bekenntnis, zugunsten der paraguayischen Campesinos zu Protokoll. Wie kein anderer hatte der jesuitische Armenpriester den Skandal der unschuldig inhaftierten Campesinos von Curuguaty im öffentlichen Bewusstsein gehalten. Zuallererst aber erinnert Oliva an die inzwischen 115 getöteten Bauernführer und Mitglieder von Campesinoorganisationen der letzten 20 Jahre  -  in der Mehrzahl Opfer eiskalt geplanter Morde durch Einzeltäter bzw. Auftraggeber. Alle Morde haben mit dem Landkonflikt zu tun, dabei handelt es sich fast immer um unrechtmäßig erworbenes Land. Art und Weise sowie Umstände der Morde sind gleich, sie werden sowohl von Polizisten im „Nebenberuf“ oder von Sicherheitskräften begangen. Anklagen, falls überhaupt erhoben, enden mit Straflosigkeit, dafür sorgen schon die mächtigen Auftraggeber. In zehn Jahren sind fast 1 Million Campesinos vom Land in die Städte verschlagen worden, zuletzt wegen der immer stärker werdenden Bedrohung von Leib und Leben durch die Pestizide für die Sojafelder  -  mit ihren verheerenden Auswirkungen für Mensch und Tier.

Landreform  -  diesen Begriff hört man zur Zeit überhaupt nicht mehr in Paraguay.Man spricht lieber von der „Stärkung der Campesinos“, was immer das sein soll. Oliva ruft „uns, die wir keine Campesinos sind“, zu tatkräftiger Solidarität mit diesem großen Teil der paraguayischen Bevölkerung auf.

Dazu aus einem meiner Reiseberichte wie folgt:
„In gebührender Entfernung von den Gattern der estancia, in denen die jungen Rinder gehalten werden, leben auch kleine indianische Gemeinschaften in ihrem Elend, gleichsam eingezwängt inmitten der enormen Farmen und in strohgedeckten Holzhütten vegetierend, ohne irgendeine Unterstützung, von wem auch immer. Zum Überleben hilft  ihnen manchmal nur das „Organisieren“ eines Tieres aus einer Viehherde, die nach Tausenden Köpfen zählt. Der estanciero hat nun einen neuen Aufseher angestellt, ein scharfer Hund, der bei  Verdacht zur Not auch schießen darf, wenn er eine fremde Person auf dem Privatgelände der estancia antrifft  -  Privatbesitz ist das Allerheiligste in Paraguay, bei seiner Verletzung (Betreten reicht da schon)ist fast alles erlaubt. Da präsentiert der Wachmann der Estancia Santa Eulalia dem mayordomo (Verwalter)  seinen jüngsten Fang: Bei seinem Rundritt hatte er ein durch drei Gewehrkugeln angeschossenes Rind entdeckt.Der oder die Täter waren hastig geflohen, alles sah nach der Arbeit von Profis aus.Nachdem er dem Tier mit seiner Pumpgun den Todesschuss gegeben hatte, schnappte der Wachmann sich den erstbesten Indigenen, den er unweit der Fundstelle nahe bei dessen Dorf auftrieb: Einen gerade mal sechzehnjährigen Jungen, der einem leckeren Gürteltier nachjagte, und gegen den er nicht  den geringsten Beweis hatte. Er wusste genau, dass nur der Bauernführer einer Campesino-Organisation, die in der Nähe ein Landbesetzer-Camp errichtet hatte, oder aber einer seiner Leute der Viehdieb sein konnte. Den hätte er jetzt lieber erwischt und „notfalls“ als Leiche zu seinem Auftraggeber  gebracht  -  gegen ein weit höheres Blutgeld.

Nach „Leistung“ bezahlt,will er dem mayordomo wenigstens den jungen Indigenen als auf frischer Tat ertappten Viehdieb präsentieren, um die Kopfprämie zu kassieren. Wir sind erregt und befürchten Schlimmes für den jungen Indio, der in strömendem Regen, mit auf dem Rücken gefesselten Händen und von Bluthunden in Schach gehalten, vor geführt wird  Aber der mayordomo belässt es bei einer beinahe väterlichen Ansprache, ob er dabei die Zuschauer aus Alemania berücksichtigt, bleibt im Dunkeln. Er ermahnt den Jungen streng, den er zu kennen scheint und dessen Täterschaft er offensichtlich ausschließt. Er ordnet an, ihn zu seinem Dorf zu bringen und den cacique, den Stammeshäuptling, zu unterrichten.Ein Pickup bringt den total  verschüchterten jungen Indio, den wir auf höchstens 18 schätzen, bei einsetzender Dunkelheit weg, immer noch in Fesseln und in Begleitung des Wachmannes mit seiner Knarre.Das Gesicht des Jungen verfolgt mich noch eine ganze Weile. Derweil haben sich zwei des Schlachtens und Kühezerlegens kundige gauchos der estancia um das Corpus Delicti bemüht und seine Verzehrstauglichkeit festgestellt. Nur der ansonsten sehr begehrte Kuhschädel mit seinem leckeren Innenleben  ist von der letzten Ladung der Pumpgun so zerschmettert, dass er mit Bedauern entsorgt werden muss. Wir essen noch am selben Abend von dem Tier, die gauchos erst bei ihrer frühen Mahlzeit um halb sechs ....
Zwei Stunden dauert die Fahrt mit dem mayordomo über das Estanciagelände  zum kleinen Polizeiposten in der nächsten Ortschaft, wo er wieder einmal einen Viehdiebstahl anzeigen will. Als wir in das traurige Kaff  kommen, und erst recht, als wir den  dubiosen Vertreter der Staatsgewalt erblicken, können wir uns gut vorstellen, dass er mit Kriminellen unter einer Decke steckt....

Indigene  -  „Business as usual“

Obwohl sie die ersten Landeigner waren, sind  Paraguays Indigene  die am meisten benachteiligte Bevölkerungsgruppe.  Dazu einige aktuelle Beispiele: Zur Zeit entstehen im Land sogenannte „private Reservate“  -  nein nein, nicht für die Ureinwohner, sondern vorgeblich zum (privaten?) Schutz der Natur. Da scheint manch einer der Großen seine Liebe zu Pflanzen und Tieren entdeckt zu haben. In Wirklichkeit aber haben sie ein Verfahren erfunden,  den Indigenen ihr Land streitig zu machen bzw. ihre eigenen Latifundien abzusichern unter Benutzung des Rechtsbegriffes „Private Reserve“. Sie dürfen sich also als neue Akteure einreihen in den Kreis der Landschützer  -   verkehrte Welt ist das und eine üble Parodie, die Menschenrechte zu verletzen und dazu den Tier - und Pflanzenschutz anzuführen!
Einige dieser privaten Reservate sind denn auch bereits entstanden  -  in Verletzung  der Verfassung und geltenden Rechts  -  insbesondere des Rechts der indigenen Völker auf Beurkundung sowohl ihres traditionellen als auch heutigen Landes. All diese politischen Schachzüge in der Hauptstadt, in Verbindung mit dem Vorgehen des Agrobusiness´ auf dem Land, haben die Vertreibung der dort siedelnden Campesinos, vor allem aber der indigenen Gemeinschaften, zur Folge. Rechtssicherheit für ihren Besitz existiert nicht.

Der Naturpark Mbaracayú, der die Ethnien der Aché und Ava Guaraní beherbergt, erlebt zur Zeit dieVertreibung dieser beiden Stämme, die Ache erhielten das traurige „Privileg“, Aufpasser des Landes zu werden, das einmal das ihre war. Später wurden sie auf die finca 470  verfrachtet, auf der sich aber bereits die Ava befanden, Einladung zu einem inner-ethnischen Streit, der alles noch schlimmer machte. Der jüngste Fall von Vertreibung galt dem Stamm der Ava Guaraní, als über 300 Polizeikräfte einer gefürchteten Spezialtruppe aufgrund der Anzeige eines estancieros die Hütten, die Pflanzungen und das Bisschen an Hab und Gut nieder brannten und dem Erdboden gleich machten. Sie verschonten auch nicht ihren geheiligten Ort, eine Art Tempel der Tava. Angefeuert und zu noch zügelloserem Vorgehen wurden sie angestachelt durch Angestellte und Killer der estancia. Schnörkellos dagegen Artikel 64, fünftes Kapitel der paraguayischen Verfassung, wo das Recht auf Gemeinschaftsbesitz auf vom Staat geschenktem Land mit allen nur denkbaren Rechtsvorteilen  -  in krassem Gegensatz zum Vorgehen desselben Staates, der gegenüber den Wehrlosesten seine Verfassung bricht. Geschehen Ende Mai 2014. Weder Präsident Cartes noch der Präsident des Kongresses und seiner Mitglieder, noch der Oberste Gerichtshof haben ihre Stimme erhoben.Ein Ausländer mit einem von wem auch  immer unterzeichneten Papier in der Hand macht sich lustig über unsere Landesverfassung, er ist von gleicher Menschenverachtung und fügt sich nahtlos in den Kreis der unsrigen vom gleichen Schlage.„Es lebe unsere Verfassung  -  ein Hoch auf ihre Missachtung!“
-  so ironisch war Pater Oliva selten

Indigene  -  „New Deal?“
Fast zur selben Zeit aber, Ende Mai, geschah etwas, mit dem kaum jemand noch gerechnet hatte und das fast wie ein Wunder erschien, in erster Linie den betroffenen  Indios: Ein deutscher Großgrundbesitzer und Landhändler muss nach einem Spruch d. paraguayischen Abgeordnetenkammer 14.000 ha Land an die Sawhoyamaxa, Stamm  des indigenen Volk der Enxet, zurück geben. So unaussprechlich der Name dieser Gemeinde von ca. 150 Familien,  so unbändig ihre Freude über den großen Erfolg, der freilich noch seiner Bestätigung durch den Präsidenten harrt, der hier aktiv und konkret umsetzen kann, was er sonst nur im Munde führt.22 Jahre Kampf um ihnen verfassungsmäßig zustehenden Grund und Boden,  Bürokratie, Proteste, Hungerstreiks und nicht erfüllter Urteilsprüche Als wir vor einigen Jahren auf einer der zwei wichtigen Asphalt-straßen des nördlichen Chaco fuhren,  der Ruta Pozo Colorado - Concepción, konnten wir, wie in einem Freiluft-Zoo, die an den Straßenrändern kümmerlich überlebenden Sawhoyamaxa bestaunen, die dort jahrelang auf den Ausgang  des Rechtsstreites warteten. Ohne Schulen, ohne Hospital, ohne Trinkwasser, viele Alte vor allem erlebten  ihren Sieg nicht mehr.

Mit einer Reisegrupe unterwegs, kreuzten wir bei unserer Reise in den Chaco  einmal den Marsch der Familien nach Asunción zu einer Anhörung durch den damaligen  Präsidenten Lugo.(fast 400 km!). Wir waren beeindruckt von der physischen Leistungsfähigkeit  -  eher den klaglos ertragenen körperlichen Strapazen  -   und der Ruhe und Würde, die sie ausstrahlten. Sie richteten sich gerade für die fünfte Nacht an der ruta ein, und wir kauften für sie, als kleine Geste,  eine Pickup-Ladefläche voller Lebensmittel. „Don Heriberto“ (Rödel), windiger Jurist, war  mit seiner „Fiduciaria Transatlantica“ (Mainzer Treuhand)schon in den Achtzigern Großgrundbesitzer  -  ein Landmagnat, der seine Ländereien fein in Scheiben schnitt und sie vor allem an „deutschlandmüde“, fiskusscheue Schwerverdiener verhökerte oder aber an solche, die bei uns den Kommunismus ausbrechen sahen und denen dabei  ein Willy Brandt schon einen genügend großen Schreck einjagte.... Hier in Deutschland wurde ich, zusammen mit  eingen AktivistInnen, initiativ und vorstellig beim Bundesfinanzminister,um ihn zu drängen, die völlig überzogenen „Verlustzuweisungen“, im Klartext ein Steuersparmodell, drastisch zu reduzieren. Dieser Idealanreiz für Steuerhinterzieher,Hüter des schwarzen Geldes und andere Halunken sorgte nämlich kontinuierlich für immer mehr Land für Deutsche, die sich damit schmückten, und immer weniger für die Indigenen,denen es zum Überleben fehlte.

Don Herbert“ hatte nach einer mehrjährigen Haftstrafe in Deutschland auf der Suche nach neuen Opfern seiner trickreichen Geschäfte die Indigenen entdeckt. Der  Interamerikanische Menschenrechtsgerichtshof entschied auf Rückgabe eines großen, den Enxet abgeluchsten Stück Landes an eben diese binnen zweier Jahre. Das ist Aufgabe des paraguayischen Staates, und alles wird davon abhängn, ob Cartes die 40 Mio Dollar aufbringen will.Im Zuge der neuen Liebe mancher Abgeordneter für die Natur (s.o.) würde uns nicht wundern, wenn stattdessen ein (diesmal) „Staatsreservat“,verbunden mit einer geringeren Entschädigungssumme, ausgerufen würde..... Pater Oliva beklagt heftig, dass nur wenige Personen und Gruppen im Land sich gegen die Verachtung und Ausbeutung ihrer indigenen Bevölkerung einsetzen. Ein fröhliches „Salud!“ als Grußformel ist praktisch undenkbar in Paraguay, bei diesem Wort nämlich hört jeder Spaß auf.

Gesundheit ist gut ..... zu Vermarktungzwecken ebenso wie zu Kürzungsorgien an ihrem Etat.Das besorgen zuverlässig jene Staatsdiener von der Sorte Geier, die um das ständig am Rande der Verwesung befindliche Selbstbedienungsressort mit dem Namen salud (Gesundheit) kreisen und dank ihrer überragenden und in vielen Jahren erprobten Sturzflugtechnik zuverlässige Punktlandungen hin kriegen.

USF - Unidades de Salud Familiar ....klingt irgendwie sozialistisch a la Cuba, oder?
Richtig, die USF sind ein cubanischer Gesundheitsexport, unter Präsident Fernando Lugo hat dieses Programm einer präventiven Versorgung Einzug in das völlig marode und klientelistische Gesundheitssystem Paraguays gefunden: In den Vierteln der Armen, der armen Kranken, wird in jeder Familie eine Art Zensus zu den Krankheiten jeder Familie erstellt. Ein Team, bestehend aus einem Arzt, einer ausgebildeten Krankenschwester, einer med. Hilfskraft und fünf aus dem Viertel gewählten und fortgebildeten Personen betreut die Kranken und übernimmt eine med. Basisversorgung. Dazu kommen die kostenlose Behandlung in den staatlichen Hospitälern und kostenlose Medikamente. Auch zu Lugos Zeiten sehr umstritten, sehr umkämpft. Dort aber, wo es eingesetzt wurde, erzielte dieses System gute und nie erreichte Erfolge.

Was blieb davon?
Am auffälligsten ist wieder die Knappheit bzw. Abwesenheit von Medikamenten, ebenso von unverzichtbaren Materialien, und wenn es „nur“ Gummihandschuhe sind. Viele arme Patienten gehen mit ihrem Rezept auch zum Coloradobüro ihres barrios, wo ihnen die „Wohltäter des Volkes“ die  Medizin „schenken“. Frage: Wo haben die Colorados die Medikamente her? Bzw. das Geld zu ihrem Kauf? Des weiteren wurden die sehr beliebten Ärzte und  Schwestern von ihren Posten abgezogen und durch Linientreue ersetzt  -  kein Wunder, dass die med. Versorgung gegenwärtig wieder auf einem miserablen Stand ist.Genau so schlecht sieht es auch wieder in der von uns seit vielen Jahren betreuten Kinderstation des staatlichen Krankenhauses „Hospital Barrio Obrero“ aus  -  und wieder senden wir, wie vor Jahren, Medikamente an unsere Partner. D. C., Leiter der Kinderstation, hat wieder einmal allen Grund, sich für die  Missstände zu schämen. Und ebenso für die Bitte um dringend benötigte Medizin. Die wir wie in den Stroessnerzeiten über MEDEOR versenden, mit in langen Jahren eingeübten Verfahren. Und mit Kontrolle beim verlustfreien Weg zu ihrem Einsatzort und bei der korrekten Verwendung. Das ewige Dilemma bei der Frage: Helfen wir so nicht unfreiwillig dem korrupten Staat? Sicher, zumindest indirekt.  Gegenfrage: Soll man die Kinder-Patienten „bestrafen?“ Etwas besser fühlen wir uns auch durch die Tatsache, dass wir uns regelmäßig an Protestmaßnahmen beteiligen: Offene Briefe, Petitionen, Artikel in par. Tageszeitungen, Berichte über unsere Arbeit hier für die deutsche Öffentlichkeit u. Ä.

DDHH - Derechos Humanos, so kürzt man in Paraguay die Menschenrechte ab.
Noch verkürzter sind die tatsächlichen Rechte der Menschen, deren Beachtung richtet sich nach der Maßgabe, wie gefährlich der Bürger für die Mächtigen ist, wie beschaffen gesellschaftliche Stellung und Vermögen  -  und allgemein gilt: Je ärmer und tiefer auf der sozialen Stufenleiter angesiedelt, desto stärker werden ihre DDHH mit Füßen getreten. Als Gruppen benannt, sind Kinder, Indigene und Frauen  die am meisten benachteiligten, rechtlosen und gefährdeten Gruppen Paraguays, davon war schon die Rede. Unter dem neuen Präsidenten schien sich die Menschenrechtslage in Paraguay ewas zu entspannen.

Aus der letzten Mail von Padre Oliva:
“ ....... Die Killer werden nie  gefunden und gehen folglich straflos aus. Manchmal werden sie auch von Brasilien eingeschleust, wohin sie nach der Tat zurück kehren. Noch trauen sie sich nicht, all das auch in Asunción zu machen  -  dennoch: Bei uns in den ´Bañados´ greift sich die Polizei jene, die das Maul zu weit aufreißen und bearbeitet sie, dass sie Ruhe geben. Wie neulich, da sollte einer unserer Leiter, unterwegs auf der Straße, einem Polizisten seine Papiere zeigen. Als unser Mann fragte, warum er mit Gewalt vorgehe, packte ihn der Polizist erst recht um den Hals und versetzte ihm einen Knüppelhieb. Der hat sich wohl hinterher entschuldigt, als man ihn anzeigte, um ein Verfahren gegen ihn zu eröffnen. Auch der Polizeikommissar bot den üblichen Deal an: Wenn er den Polizisten nicht anzeigen würde, erlebe er nichts „Unangenehmes“... Das ist lediglich ein kleiner Fall, er zeigt aber, wie sie handeln. Im Zweifelsfall agieren sie mit Härte, fürchten aber wohl eine Anzeige ....“.

Die „Ordnungskräfte“ auf dem Land müssen sich davor nicht fürchten, sie verbreiten ihrerseits Furcht und Schrecken  -  mehr jedenfalls als jenes Häuflein Männer (und eine Frau) in Paraguays Norden, die zu bekämpfen und möglichst unschädlich zu machen man sie ausgesandt hat: Polizeikräfte und Militär, die immer noch das Katz und Maus Spiel mit den Guerrilleros des EPP -  „Ejército del Pueblo Paraguayo“, das Häuflein Desperados vom „Paraguayischen Volksheer“, von der kolumbianischen FARC ausgehalten und ideologisch aufgerüstet. Hin und wieder kidnappen sie einen estanciero, töten einen gehassten Polizeichef  oder überfallen auch mal mal eine Bank. Bis heute glaubt manch ein Beobachter aus den eher spärlich vertretenen linken Kreisen, dass es sich bei der EPP  -  wenn nicht gar gänzlich um heiße Luft  -  so doch um einen nützlichen, natürlich „terroristischen“ Idioten handelt. Jedenfalls hat die Regierung, zuletzt verstärkt durch eine Art Notstandsgesetz, im unwegsamen Norden des Landes freie Hand. Man kann belegen, dass die policías und milícos mehr hinter Campesinoführern und Drogencapos her sind, dies nicht zu ihrem Schaden.

Und die allgemeine Sicherheits - und Menschenrechtslage in Paraguay, in Stadt und Land?
Zunächst noch der letzte Teil aus Pater Oliva´s Mail, der davon handelt: “.... Was eure Sorge um mich betrifft, so ist es richtig, dass ich im Radio und Zeitungen sowie bei Einladungen von Organisationen unbequeme Wahrheiten ausspreche.
Noch aber trauen sie sich nicht an mich heran, wegen des Kredites meiner Person.Es ist durchaus möglich, dass ich mich bei einer Verschärfung der Lage vorsichtig und planvoll bewegen muss, die Schlafplätze wechseln, nicht die gleichen Wege benutzen u.s.w.Das kenne ich ja schon aus all den Jahren unter verschiedenen Diktaturen. (Diese hier ist eine Wirtschaftsdikdatur von der schlimmen Sorte)!Das soll alles sein für heute. Mit meinen 86 Jahren will ich die vier Jahre aktiven Lebens und Wirkens noch erfüllen  -  mit den körperlichen Einschränkungen, abe aktiv.Ich bin ruhig. Was mich hart trifft, das ist das Leiden der Menschen, auch der Verrat von Leuten, die mich umgeben  -  aus einer verrückten psychologischen Spinnerei heraus oder aus egoistischen Interessen. Das spielt sich leider auf allen Ebenen ab. Nichts weiter, ich sag´s nochmal: Ich bin gelassen und im Frieden mit mir und mit den Menschen, die auch eine Welt wollen, die für alle ist und in der jeder ein Leben in Würde führen kann.
Pa´i Oliva “

Martín ALmada  -  rastlos im Einsatz für die Menschenrechte
Er ist das „prominenteste“ Folteropfer der Stroessnerdiktatur, Aktivist Pro DDHH !!

Die immer auch mit bearbeitete eigene Geschichte des Leidens unter Verfolgung, Folter und persönlichem Verlust  spart Almada auch in seinen zahlreichen Beiträgen nicht aus. (seine Frau starb an psychischer Qual angesichts des Leidens ihres Mannes, mit dem die Unmenschen sie quälten)  Das quittieren viele seiner Landsleute mit Abwehr oder Ablehnung bis hin zum Hass, manche bezweifeln sogar offen seine schrecklichen Diktaturerfahrungen bzw. werfen ihm Geltungssucht vor. Noch unbeirrter macht er dann weiter, offensichtlich mit dem unbändigen Willen, seine Zeit für sein Land zu nutzen und zu helfen, Paraguay zu einer wirklichen Demokratie zu machen.Sein alternativer Nobelpreis, das internationale Ansehen, das er genießt und das zu Einladungen zu bedeutenden Kongressen führt  -  vor allem aber seine unerschrockene Kritik im eigenen Land machen ihn zu einem von vielen Paraguayern verehrten, von anderen verfluchten Mitbürger, der immer wieder um sein Leben fürchten muss. Wenn man all die Protestschreiben, Solidaritätsbekundungen o. ä. zu seinen Gunsten zusammen nimmt, die allein unsere PPI zu seinen Gunsten und zu seinem Schutz auf den Weg gebracht hat, wird sein Gefährdung anschaulich illustriert. Ob auch sein Besuch in Kempen auf Einladung der PPI ihm zum Zweck seines persönlichen Schutzes genutzt hat, bleibt naturgemäß im Dunkeln.

Wie bei einer gruseligen Folklore sitzt hier Martín Almada als einziger Fahrgast in dem Chevrolet mit dem Namen „Rotkäppchen“, in Paraguay „Caperucita Roja“ genannt, schreckliches und gefürchtetes Vehikel aus den Zeiten der Diktatur.Mit diesem Auto mit der auffälligen Farbe wurden  -  wie zu Schauzwecken  -  politische Gegner abgeholt, die Folter fing schon im Wagen an, zum „Warmschlagen“, wie die Folterer sagten. Die Zeitzeugen berichten von der geradezu bedächtigen Fahrt des Chevy´s Marke Customer 10, mit seiner unverwechselbaren Farbe,  dem Wort POLICIA an der Seite und dem Scheinwerfer auf dem Dach durch  Asuncións Straßen (wollte die Besatzung mehr Zeit fürs Quälen haben, solange sie noch Herr über ihr Opfer war?) Sechs von der Sorte und für diesen Zweck wurden den paraguayischen Mitstreitern gegen den Kommunismus von den Amis geschenkt. Hatten sie keine Opfer an Bord, fuhren alle sechs gemächlich herum, nur zur Einschüchterung, und das mit großem Erfolg.Viele Leute versteckten sich sogar, sobald sie nur einen Teil des Schreckensautos erblickten. Almada hat diese Fahrt selber zweimal erlebt, er hat lange nach dem Auto gesucht, um es vor dem „Museo de las Memorias“, auf der Calle Chile, auszustellen. 2011 wurde ein Exemplar ausfindig gemacht, dank Almadas Hartnäckigkeit in Stand gesetzt.Jetzt ist „Caperucita Roja“ ein Museums - und Ausstellungsstück und erzählt ohne Worte von einem grausigen Detail der Repression. Zusammen mit Almada und seiner Stiftung „Fundación Celestina Pérez de Almada“, benannt nach dem Namen  seiner ersten Frau, werden wir bei General Motors  versuchen, einen Kleinbus zu bekommen als eine Art Wiedergutmachung. Damit können dann Schüler – und Studentengruppen zum  „Museo de las Memorias“ gefahren und dort über die jüngste Vergangenheit informiert werden .....vielleicht  von Martín selber, der dann sicher die neue Verstärkeranlage von der PPI benutzen wird, um seine arg lädierte Stimme deutlicher zu machen. (Unter der Folter in der berüchtigten „pileta“  -  Eintauchen bis zum Ersticken bzw. Herunterwürgen in der Fäkalien- und Schmutzwanne  -  hat er viel von seiner Stimmkraft verloren.)

Paraguay  -  un „país acuático“.... Paraguay, ein Aqua – Land 
....das ist die Realität Paraguays, von der Natur dem Land auferlegt  -  seit Wochen und Monaten nie erlebten Regenmengen ausgesetzt, mit mehrfachen  Notstandsverordnungen. Und in der Tat werden vielerorts den Menschen gleichsam amphibische Fähigkeiten abverlangt. Wie immer sind es die Ärmsten, die den größten Schaden davon tragen, die gleichgültige Natur sucht sich die Schwachstellen. Zum Beispiel auch in Pilar, wo viele unserer Partner  betroffen sind. Das Wasser will nicht weichen, der Rio Paraguay steigt weiter, zuletzt durch Öffnen des Überlaufs bei den großen Kraftwerken Itaipú und Yacyretá. Wir fühlen uns mit betroffen  -  und sind es:
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Bei den Partnern in Pilar steht (noch?!) jene Brücke, über die unser Container nach Medina zur Jugendwerkstatt transportiert wurde, deren Eröffnung im Juli fragwürdig wird. Die Brücke ist elementar wichtig, der einzige Übergang, wenn man zu unserer Werkstatt und Schule Medina will
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Im Wirkungsgebiet von Pater Oliva in den Bañados von Asunción ist es besonders schlimm, ganze Viertel der flussnahen Elendsgebiete mussten geräumt werden.
Oliva beklagt sich, dass wie zu Stroessners Zeiten die „Untergliederung  Bañados der Colorado – Partei“ für die Notstandsmaßnahmen  zuständig ist  -  eine Katastrophe laut Oliva.
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Unser Partnerarzt vom Hospital Barrio Obrero berichtet von überbordenden Belegungszahlen durch zum Teil schlimme Atemwegserkrankungen.
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Martín Almada verliert einen Teil wichtiger Unterlagen durch Wassereinbruch in sein Haus. Er schreibt: „Die Cupií haben den Rest erledigt (das sind Schwärme fressgierigr Ameisen).
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Unsere Landwirtschaftsschüler können die Schul – und Lehrbeete nur per Boot erreichen, aber wozu  -  sie kommen nur   an „Lagunen ....“ Und der Präsident? Der düst nach Brasilien. Vielleicht um Katastrophenhilfe zu erbitten? Nein, er will zur Fußball WM .... obwohl sein Land zu ertrinken droht, und obwohl Paraguay gar nicht mit spielt  -  nun ja, der Mann ist eben fußballbegeistert, das macht ihn doch menschlich, oder? In Asunción hat er doch sogar einem Club wieder auf die Beine geholfen: „Club Libertad“

Soviel zum Schluss über Natur – und menschliche Katastrophen in einem Staat, der sich bis zu dem zuletzt Gesagten treu bleibt.

Ausbildungszentrum für ländliche Entwicklung (CCDA)

Hilfsverein Solidarität - Solidaridad

Fundación Vida Plena

Kinderstation Hospital Barrio Obrero

Fundación Celestina Pérez de Almada

Padre Oliva - Bañados del Sur

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