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Paraguay - vergessenes Land“: Ein Theaterstück aus Kempen geht auf die Reise
von Hermann Schmitz † 30.03.2019
30.01.13     Klicks:2380     A+ | a-
Juni 2012:  Spätestens nach der vierten und letzten Aufführung ihres Theaterstückes ?Paraguay  -  ein vergessenes Land? konnte sich die Theater-AG des Thomaeum bestätigt sehen, eine besonders schwierige Herausforderung bravourös gemeistert zu haben, die seit langem auf ihrer Wunschliste stand:
Die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler hatten unter der Regie ihrer erfahrenen Theaterpädagogin Brigitte Nienhaus ein Stück mit dem Thema ?Eine Welt? auf die
Bühne gebracht. Lange Monate intensiver Einarbeitung in die Problematik unterentwickelter Länder und viele Proben waren voraus gegangen, ein Theater-Workshop hatte sie zusätzlich beflügelt.
Im Mittelpunkt des Stückes steht Paraguay, das südamerikanische Land mit der größten Ungleichheit zwischen Arm und Reich,  immer noch geprägt von den langen Jahren der Militärdiktatur.
Das Material für die Gestaltung des Stückes stammte zum großen Teil von der Kempener Pro Paraguay Initiative (PPI), in Form von Texten, Projektberichten, Literatur, Musik und Fotos.
Aus diesen und anderen Quellen  erarbeiteten die Theatermacher des Thomaeum unterschiedliche, für ein Entwicklungsland typische Szenen, die auf der Bühne so lebendig wurden, dass eigentlich nur noch der spanische Originalton zu fehlen schien.
Der Vorstand und viele Mitglieder der PPI hatten natürlich  besonders gespannt auf das Stück mit ?ihrem Land? als Schauplatz gewartet. PPI-Leiter Hermann Schmitz nach der Aufführung: ?Ich komme gerade erst aus Paraguay, und beim Zuschauen und ?hören hatte ich das Gefühl, schon wieder drüben zu sein, so dicht und authentisch haben die Schüler gespielt. Das ist bewundernswert!? Auch die Zuschauer waren sichtlich berührt von dem Stück.

Das aber war nicht das Ende von ?Paraguay  -  ein vergessenes Land?, denn zumindest das Stück war acht Monate später keineswegs vergessen.Im Gegenteil, es verließ jetzt als DVD, gründlich überarbeitet, die Werkstatt der ?Kempener Videofreunde?, die bei einer der Aufführungen  seinerzeit professionell gefilmt hatten.

Die Leute von der PPI ließ der Gedanke nicht los, wie ein solches Stück an genau dem Ort gezeigt und eingesetzt werden könnte, wo es spielt! Vor allem paraguayische Jugendliche sollten erfahren, was Gleichaltrige  aus Deutschland aus dem Material gemacht hatten, welches ihr Leben betrifft. Und wie würden die jungen Deutschen  ihr Land sehen?
Und so machten sich Videotechniker Jakobs und Übersetzer Schmitz gemeinsam an die Arbeit vor den Monitoren,  jeden Montag bei viel  Keks und Kaffee in Jakobs Werkstatt: Spanische Untertitel, kurze Erläuterungen der Szenen, Szenenübergänge, eine Einführung zum Thomaeum und zur PPI sowie eine  Fotoschau zu Kempen. Am schwierigsten waren die Kürzungen, denn länger als eine knappe Stunde sollte die DVD nicht sein.
Schmitz ist mehr als zufrieden: ?Letztlich aber mussten wir ja nur auf der wunderbaren Arbeit von Brigitte Nienhaus und ihrer tollen Truppe aufbauen. Herr Jakobs hat  klaglos zig Stunden investiert und diese Arbeit ganz zu seiner Sache gemacht, dafür sind wir ihm sehr dankbar. Immerhin hat er mindestens drei Worte Spanisch gelernt, und er hat auch viel über Paraguay erfahren.?
So bearbeitet kann also das Theaterstück nun im Februar mit auf die Reise nach Südamerika gehen:  Ein jeweils eintägiger Workshop rund um das Stück mit dem Thema
"Alles nur Theater?  -  Deutsche Jugendliche sehen unser Land?
in verschiedenen Bildungseinrichtungen ist geplant, es gibt schon großes Interesse und  gespannte Erwartung in Paraguay.
Zum Beispiel von der Landwirtschaftschule San Juan, Projektpartner der PPI und Partnerschule der Thomaeer, die seit Jahren solidarische Hilfe zugunsten dieser Schule leisten.
Man darf gespannt sein, wie die Jugendlichen und Erwachsenen drüben vor der Leinwand  mit den teils recht kritischen Inhalten umgehen.
Begeisterung erwartet Schmitz bei der filmischen Stadtführung durch Kempen, mit der das Video anfängt. Kempen wird vor allem den einfachen Menschen auf dem Land wie eine Traumstadt erscheinen.
In einer  Parodie preist dann eine ?Paraguayische  Einwanderungsagentur? ihr Land in schrillen Tönen und mit verlogenen Werbesprüchen an, köstlich und makaber zugleich. (Und im übrigen sehr aktuell: Paraguay ist zur Zeit für  Deutsche eines der bevorzugten Auswanderungsländer)
Dann bieten ihnen die acht hübschen blonden Schülerinnen der Tanzgruppe auf der Leinwand eine original paraguayische Tanzvorführung, mit der ihnen vertrauten Musik und fast den gleichen Tanzkleidern, mit denen auch sie sich schmücken. Das wird für Staunen und Begeisterung sorgen, besonders natürlich bei den Jungen  -  und für Stolz auf die eigene Folklore.
Beklemmend  dagegen Szenen aus der sozialen Realität Paraguays, etwa der ?Markt der Hausangestellten?, auf dem die Dienstmädchen wie Ware gehandelt werden, oder die Krankenhaussprechstunde, wo Behandlung nach Geldbeutel gewährt wird und einer Mutter der Leichnam ihres toten Kindes, in eine Decke gehüllt, für die Heimfahrt mit dem Bus ?ausgehändigt? wird. Ratschlag des skrupellosen Klinikarztes an die verzweifelte Mutter: ?Sagen Sie  aber dem Busfahrer nichts  -  er darf nämlich keine Leichen transportieren .....?
Die heraus geputzten Damen der Gesellschaft mit ihrem oberflächlichen Geschwätz beim Kaffeeklatsch werden den Partnerschülern fremd sein, nicht aber die verwahrlosten Kinder des Großmarktes der Hauptstadt Asunción. Beide Welten sind eindrucksvoll und sehr treffend dargestellt.
 Wie werden sie die gespenstischen Szenen aus der Zeit der blutigen Diktatur Paraguays unter dem deutschstämmigen Diktators Alfredo Stroessner aufnehmen? Auch der Leidensweg zweier  überlebender Opfer wird nachgezeichnet, beide Partner de PPI.
Einer der beiden ist Dr. Martín Almada, alternativer Nobelpreisträger und im Jahre 2006 Gast in Kempen und am Thomaeum, wo er zu einer Art Ehrenmitglied des Kollegiums ernannt wurde.

Schmitz freut sich auf den Einsatz des ?Kempener Theaters? und verspricht sich einen fruchtbaren interkulturellen Austausch. Von der Landwirtschaftsschule gibt es vielleicht sogar ein ?Gegen-Stück?.
Und wie passt das alles zur Lage im Land Paraguay?
Im Handzettel zum Stück hatte die Theater-AG geschrieben: ?Nachtrag zur aktuellen Lage in Paraguay: Wenn die Schlussszenen des Stückes an die Zeiten der Diktatur erinnern, so passt das nur zu gut zu den aktuellen Ereignisse und Veränderungen in  Paraguay, die einen teilweisen Rückfall in vordemokratische Zeiten bedeuten  -  eine unerwartete Aktualität! Am 22.6.2012 wurde Präsident Lugo auf Veranlassung seiner bisherigen liberalen Koalitionspartner seines Amtes enthoben, innerhalb von nur 24 Stunden, und unter fadenscheinigen Vorwänden. Vieles in Paraguay ist wieder wie in unseligen früheren Zeiten, eine traurige Wiederholung!?
So ist es in der Tat, das weiß niemand besser als Hermann Schmitz, der gerade seine  Reise nach Paraguay vorbereitet: ?Auch die Aussichten für die Wahlen im April sind düster, nicht auszuschließen, dass die alte Stroessnerpartei wieder das Land in schlimme Zeiten zurück wirft. Dem stehen auch wir natürlich hilflos gegenüber, wissen aber, dass unsere Partner zu denen gehören, die mutigen Widerstand leisten, allen voran der Menschenrechtsaktivist Almada.
Vielleicht wird ja auch sein damaliges Empfinden, dass ´Kempen die Hauptstadt der Solidarität´  sei, durch das Theaterstück richtiger.?


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Kinderstation Hospital Barrio Obrero

Fundación Celestina Pérez de Almada

Padre Oliva - Bañados del Sur

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