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1992 - 2020
28 Jahre entwicklungspolitische Arbeit

 

SOJA - Fressen und gefressen werden
von Hermann Schmitz † 30.03.2019
16.07.08     Klicks:5054     A+ | a-
Aktion für den Schutz des Lebens und der Umwelt in Paraguay
Trotz einer für südamerikanische Verhältnisse kleinen Landesfläche (BRD + Schweiz) hat sich Paraguay zum weltweit viertgrößten Exporteur von Soja entwickelt. Die „Roundup Ready“-Monokulturen mit der für Europas oder Chinas Agroindustrie bestimmten genmanipulierten Soja der Firma Monsanto bedecken mittlerweile mehr als 2,5 Mio ha der Bodenfläche des Landes. Diese riesigen industriell bearbeiteten Pflanzungen benötigen Unmengen von Giften, die in unachtsamer und verantwortungsloser Weise versprüht werden und gesundheitliche Schäden bei der Landbevölkerung verursachen.

Hunderte von ihnen  -  vor allem Kinder und Schwangere  -  haben schon schwere Gesundheitsschäden davon getragen. In die Tausende geht die Zahl derer, die sich gezwungen sahen, ihre Gemeinden zu verlassen wegen des scheinbar unaufhaltsamen Vormarsches der Soja, die ihren Lebensraum vergiftet. Es gibt wieder einmal einen aktuellen Anlass, auf diese skandalöse Praxis der Missachtung von Menschenrechten hinzuweisen: Kürzlich hat der Kongress Paraguays ein Gesetz verabschiedet, welches in seiner Konsequenz den beliebigen Gebrauch von Pflanzengiften erlaubt.

Das Gesetz wurde von eben jenem agroindustriellen Sektor erarbeitet, der sein Nutznießer sein würde, indem Umweltverbrechen weiter begangen und straflos gestellt werden können. (Das kennen wir von Deutschlands Koalition aus Politik und Tabakindustrie) Präsident Lugo kann allerdings sein Veto gegen dieses Gesetz einlegen und zur Neubehandlung an den Kongress verweisen.           

Der Druck der „Sojabarone“ auf die Regierung ist enorm, sie drohen mit Straßensperrungen durch den Aufmarsch ihrer Traktoren. Es scheint dringend geboten, auch international auf diese Situation aufmerksam zu machen und unsere Sorge um die Gefährdung der Landbevölkerung zum Ausdruck zu bringen. Erst recht, weil ja unter anderem unser Fleischmarkt und der Kraftstoffsektor (Biodiesel) das Ziel der paraguayischen Sojaexporte sind.

Hier der Text eines Aufrufes an Präsident Fernando Lugo (den wir als Pro Paraguay Initiative im übrigen an keinen Unbekannten richten), damit er dieses lebensfeindliche Gesetz nicht passieren lässt. Der Appell sollte aber auch von vielen Einzelpersonen unterzeichnet werden. Am Schluss erscheint ein Link, der zur Unterschrift führt

Danke für Ihre Teilnahme an dieser Protestaktion!
Hermann Schmitz

Herr
Präsident der Republik Paraguay
Don Fernando Lugo Méndez
Regierungspalast

Sehr geehrter Herr Präsident Lugo:

Mit diesem Schreiben möchte ich meiner Beunruhigung wegen der schweren Umweltproblematik Ausdruck verleihen, unter der Paraguay wegen der Ausbreitung immer extensiverer Sojapflanzungen und des damit einher gehenden unkontrollierten Gebrauchs von Pflanzengiften leidet.

Die Soja-Monokulturen richten sich gegen Leben und Gesundheit der schwächsten Bevölkerungsgruppen, sie zerstören die kleinbäuerliche Subsistenzwirtschaft, bedrohen die weltweit immer knapper werdenden Süßwasserressourcen mit Austrocknung und Vergiftung. Infolge der kürzlich erfolgten Verabschiedung des Gesetzes Nummer 3742/09 „Kontrolle der Pflanzenschutzprodukte im landwirtschaftlichen Gebrauch“ würde sich diese Situation weiter verschärfen. Wir appellieren daher an Sie, diesem Gesetz Ihre Zustimmung zu verweigern, wovon Sie als Präsident und Vertreter des ganzen paraguayischen Volkes ein verfassungsgemäßes Recht haben.

Das besagte Gesetz verstößt gegen die elementarsten Rechte der Menschen auf Leben, Gesundheit und eine intakte Umwelt, zu deren Schutz sich der paraguayische Staat und seine Verfassung verpflichtet hat. Es bedeutet einen Rückschritt, wenn in dem neuen Gesetz das Agrobusiness bei Verstößen mit noch geringerer  strafrechtlicher Verfolgung zu rechnen hat.

In ihm sind zudem die Annullierung bzw. Flexibilisierung von Auflagen vorgesehen, welche die Sicherheitsabstände und Schutzwaldzonen gegen die Giftausbringungen betreffen.  Diese sollen als eine lebendige Barriere gegen den Sprühregen aus Agrogiften dienen, werden aber ständig manipuliert zwecks Vergrößerung der Anbaufläche. Außerdem ist in dem geplanten Gesetz festgelegt, das Gesundheits- und Sozialministerium und das Umweltamt von jeder Beteiligung im Bereich von Pestiziden auszunehmen.

Es umgeht oder verletzt zudem zahlreiche internationale Abmachungen wie z. B. die „Amerikanische Menschenrechtskonvention“, die „UNO-Konvention zum Schutz der Kinder“ und viele weitere. Stattdessen beantrage ich unverzüglich das Inkraftsetzen des Dekretes 1937/09 „Festlegung von Gesundheitsvorsorgemaßnahmen bei sachgemäßem Gebrauch von Agrotoxiden in der landwirtschaftlichen Produktion“. Es stammt aus dem Gesundheitsministerium, schafft klare Regelungen zum Schutz von Leben, Gesundheit und sauberer Umwelt und definiert strenge strafrechtliche Tatbestände.

Ich ersuche die Regierung Paraguays dringend, den Weiterbestand eines schädlichen Korporativwesens zu stoppen, welches das Agro-Exportgeschäft mit seiner genmanipulierten Soja und den damit verbundenen Giftpaketen  darstellt. Abschließend bitte ich Sie, alles in Ihrer Macht Stehende zu tun, um ganz allgemein die Gesundheits- und Umweltsituation für Paraguays Bevölkerung zu verbessern.                                                                          

In Erwartung einer positiven Antwort verbleibe ich
mit freundlichen Grüßen (weiter s.u.)

Hier der Link, der zur Unterzeichnung des spanischen Textes führt:
www.salvalaselva.org    aufrufen, dann „Acción de Protesta“ anklicken, unter dem span. Originaltext (weißer Grund) ihre Daten einsetzen und abschicken  -  (ein wenig leichtes Spanisch kann nicht schaden ...  )   
Ihr Protest wird von „Salvalaselva“ (Rettet den Regenwald) weiter geleitet.

Die PPI und unsere Partner und Freunde danken es Ihnen!! 
Hermann Schmitz
          

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