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Protestschreiben Dr. Martin Almada zum Weihnachtsfest 2007
von Dr. Martín Almada
10.12.07     Klicks:3864     A+ | a-
Da gibt es nichts zu feiern ....“

Durch die Schuld multinationaler Unternehmen aus der Ersten Welt, in Komplizenschaft mit  den gewinnsüchtigen,  ebenso unkontrollierten wie unkontrollierbaren brasilianischen Sojabaronen, hat der siebenjährige Jesús Giménez sein Leben verloren, vergiftet durch Agrar - Pestizide.
Ungerührt nimmt unsere Gesellschaft das hin, die es vorzieht, im Namen des Jesuskindes zu feiern, derweil das Kind Jesús Giménez, weil es arm ist und in Paraguay lebt, keinen Heiligabend mehr mit seiner Familie wird feiern können.

Sein vergifteter Körper wurde am 19. Dezember 2007 in einem einfachen Sarg nach Asunción gebracht, angeblich zu einer gerichtlichen Untersuchung, die nur auf Druck von Campesinoorganisationen hin in Aussicht gestellt wurde.
Ich selber war 1999 Augenzeuge beim stillen Sterben mehrerer paraguayischer Kinder in den japanischen Kolonien von Pirapó, verursacht durch Umweltvergiftung. Bereits als Gründungspräsident des „Ethiktribunals gegen die Straflosigkeit“ der Vereinigung amerikanischer Juristen (AAJ) initiierte ich, ohne Erfolg, gerichtliche Aktionen gegen die sog. „Todessaat“ in der Ortschaft Rincón í bei Ybicuí. Seinerzeit überließ Monsanto/Delta Pine, berüchtigter amerikanischer Multi, den Campesinos giftiges Saatgut als „Geschenk“, um es als Dünger zu verwenden. Das wurde dann wenige Meter von einer Grundschule entfernt vergraben und brachte einigen Schülern den Tod.
Der bekannte Arzt Dr. Joel Filártiga wurde in dem Fall tätig.
(Er war während der Stroessnerdiktatur Opfer der berüchtigten „Operation Condor“ wegen seiner unerschrocken gelebten demokratischen Ideale, sein Sohn Joelito, junger Student, wurde brutal ermordet.)
Filártiga konnte dafür sorgen, dass wir die Todesbescheinigungen und –ursachen der Opfer erhielten, kein leichtes Unter- fangen, denn die Ärzte des Regionalhospitals wagten es nicht, die Todesursache zu bestätigen: Vergiftung!
Aber auch angesichts des Drucks nationaler und internationaler Organisationen

(UNICEF verhielt sich eher indifferent), blieben diese Verbrechen bis zum heutigen Tage ohne strafrechtliche Konsequenzen. Die multinationalen Konzerne kauften auch in diesem Falle, wie es weltweit Praxis ist, die lokalen und nationalen Amtsträger, insbesondere die Vertreter der Justiz  -  ein Grund für die in Paraguay und Südamerika herrschende Straflosigkeit.

Ganz offensichtlich sind die Multis und die brasilianischen Sojabarone in Paraguay nicht in die Schranken zu weisen  -  aufgrund ihrer enormen ökonomischen und der daraus resultierenden politischen Macht  -  sodass sie unbehelligt unsere Kinder, Hoffnung für morgen, ins Grab befördern können.

Als Träger des alternativen Friedensnobelpreises und Mitglied des „Exekutiv- Komitees der Vereinigung amerikanischer Juristen“ teile ich den Schmerz der Eltern um ihren toten Sohn Jesús Giménez, und ich schließe mich der Forderung der „Organisation der Landwirte des Alto Paraná“ nach Bestrafung der Täter an.

Ich schreibe dies am Vorabend von Weihnachten, in Liebe und mit Zorn gleichzeitig, angesichts solch gravierender Menschen - rechtsverletzungen an Kindern meines Landes und der Region. Als jemand, der moralische Autorität genießt, stelle ich daher kategorisch fest, dass es an diesem Jahresende in meinem  tief betrübten Land Paraguay nichts zu feiern gibt!
Was ich mir für meine eigenen Kindern erwünsche, erhoffe ich auch für mein Volk! Was hier geschieht, ist die Negation unserer Träume von Veränderung!
Aus dem gleichen Grund bitte ich alle, mir nicht mehr jene abgeschmackten bürgerlichen Postkarten zu schicken, mit jenem „Frohe Weihnachten und ein gesegnetes Neues Jahr“, da diese Botschaften meiner psychischen Gesundheit äußerst abträglich sind.

Dr. Martin Almada  Asunción, Weihnachten 2007

Ausbildungszentrum für ländliche Entwicklung (CCDA)

Hilfsverein Solidarität - Solidaridad

Fundación Vida Plena

Kinderstation Hospital Barrio Obrero

Fundación Celestina Pérez de Almada

Padre Oliva - Bañados del Sur

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