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1992 - 2020
28 Jahre entwicklungspolitische Arbeit

 

Weihnachtsschreiben von Jesuitenpater Francisco Oliva
von Paí Oliva - Hermann Schmitz
20.12.07     Klicks:1563     A+ | a-
Der spanische Jesuitenpater Francisco Oliva lebt seit über dreißig Jahren in Asunción/Paraguay, mitten unter den Armen in den „Bañados del Sur“, dem Überschwemmungsgürtel am Rio Paraguay.
Francisco Oliva ist ein klassischer Armenpriester, der sich ganz auf die Notlage und die Veränderungshoffnungen der Allerärmsten der paraguayischen Hauptstadt einlässt. Er lebt und arbeitet mit ihnen, kämpft beharrlich für ihre Belange und versucht, ihnen ihre Würde zurück zu geben. Wir haben ihn im April 2007 besucht und eine lose Zusammenarbeit begründet, mit gelegentlichen Kleinstprojekten.

Im Dez. 07 erreichte uns ein Weihnachtsgruß von „Paí Oliva“ (Vater O.):

Mit seinem  jesuitisch geschulten  Intellekt (und  seiner Fähigkeit, für den Gast rückwärts zu zeichnen) erläutert  Pater Oliva seine Sicht der Lage in Paraguay  -  plastisch, kritisch  und   immer parteiisch auf der Seite der Armen des Landes. Die Schärfe der pol.  Kolumnen  Olivas in Asuncións Zeitungen ist  gefürchtet.

Die Müllarbeiter, unter ihnen Kinder, sammeln wieder zu verwertenden Müll, verkaufen ihn und ernähren so ihre Familien. Mit ihnen lebt Paí Oliva in direkter Nachbarschaft, er hilft ihnen, sich zu organisieren und ihre Anliegen gemeinsam zu vertreten.

Pater Oliva schreibt uns:

„An meine große Familie, meine Wegbegleiter und Freunde:

Diese Zeilen sind nicht so bunt aufgemacht wie die Glückwünsche mit Power Point, die ich von euch bekomme. Bestimmt aber enthalten sie meine ganze Zuneigung. So schicke ich euch also von Paraguay, dem „che reta“, meinem Vaterland, meine guten Wünsche für das diesjährige Weihnachts- und Neujahrsfest und dafür, dass Gott euch seinen  Segen schenkt.
Im letzten Jahr war ich bei euch in Europa, ich habe den Aufenthalt sehr genossen. Ich hoffe auf eine baldige Wiederholung.
Hier sind wir ganz zufrieden  -  ´zwischen Lachen und Weinen, aber immer auf dem Weg´  -  wie die Leute sagen, die ich nicht kenne, die mich gleichwohl auf der Straße begrüßen und mir sagen: “Sie kämpfen ja unentwegt, paí Oliva.“
Wenn ich es auch nicht verdiene, so freue ich mich doch, so etwas zu hören.
 
Wir haben jetzt drei Monate innerparteilicher Wahlkämpfe erlebt, und ab jetzt geht es, bis März 2008, weiter mit den nationalen Wahlen. Alle Kandidaten sagen uns, sie stünden für den Wechsel im Land, meinen aber nur das Auswechseln  einer Person durch eine andere  -  das System nämlich wird genau das gleiche sein.

Paraguay ist, wie manches andere Land, in drei gesellschaftliche Ebenen geschichtet.
Da ist einmal die Ebene der Herrscher (Viehzüchter, Sojapflanzer, Händler, Schmuggler, Drogenhändler und die von ihren jeweiligen Botschaften unterstützten Multis). Wie viele sind es, tausend, zweitausend vielleicht?
Ihrem Lebensstil nach gehören sie zur ersten Welt.
Dann die Ebene ihrer Diener: Die Politiker, die öffentlichen oder privaten Angestellten und diejenigen, welche durch den Verkauf ihrer Stimme irgendeine miserable Arbeit ergattert haben.

Schließlich die Schicht der Opfer:
Sogar das Büro der Regierung spricht von 42% unserer Bevölkerung, die in Armut leben, das sind  zweieinhalb Millionen Menschen.

Es ist, als steckten wir in einem tiefen Loch, mit einer Partei, die seit sechzig Jahren an der Macht ist, die völlig korrupt ist und womöglich so weiter macht bis 2023. Spanien kann sich schon mal darauf vorbereiten, noch mehr Landsleute aufzunehmen. Die Verzweiflung ist riesengroß. (Mehr als 100.000 Paraguayer sind bereits nach Spanien emigriert) Alles haben sie uns rauben können, nicht aber unsere Hoffnung, und das ist gut so. Mit dieser Hoffnung kämpfen wir. In dieser Hoffnung wollen wir in der Weihnachtszeit wachsen, die Energiereserven auffüllen für ein Jahr, das sehr schwierig werden wird.

Das ist schon alles. Fügt diesen Worten die herrlichen Landschaften hinzu, über die wir verfügen, die wunderbaren Menschen, die wir haben  -  und die schönste Weihnachtsmusik, die ebenfalls unsere ist. Nur dass ich diese Dinge nicht zur Hand habe, um meine Grüße darin zu verpacken.
Lasst uns versuchen, diese Tage so gut wie möglich zu verbringen, mit dem vielen oder wenigen, das wir haben. Aber fröhlich und ohne die Hoffnung zu verlieren. Und dafür sorgend, dass das Kind Jesus in jedem von uns ein Stück weiter wächst.

In Liebe, in großer Liebe.
Viel Glück!
Francisco 15.12.2007“

Und der neue Präsidentschaftskandidat Fernando Lugo?

Setzt  Pater Oliva denn keine Hoffnung in den Ex-Bischof, der ja auch angetreten ist, den „Wechsel“ zu schaffen für Paraguay? Ist Lugo auch nur eine austauschbare neue Figur  -  und alles bleibt beim alten?
Zu dem ehemaligen Amtsbruder Lugo hat Oliva ein differenzierteres Urteil, so z. B. zu entnehmen einem „Offenen Brief an Monseñor Fernando Lugo“, da schreibt er unter anderem:

„Du bist nach allen Umfragen die Person, welche die meisten Paraguayer und Paraguayerinnen sich wünschen, um das Land aus den Ruinen zu befreien, die schlechte Regierungen und Politiker in 60 Jahren zurück gelassen haben......
.....Du wirst nur noch Fernando Lugo sein, christlicher Laie....
Du musst dich mit den besten Leuten aus dem ganzen Land umgeben. Das wird schwierig sein, denn der verborgene Ehrgeiz vieler wird dich manipulieren wollen. Du allein wirst sie auswählen  -  und das richtig,  mit all deinem politischen Geschick! Aber das reicht nicht: Wie du selbst immer gesagt hast, gilt es, gemeinsam mit den Menschen an der Basis neue politische Spielräume zu schaffen.....
.....Du musst wissen, dass sie dich ans Kreuz schlagen wollen. Die seit 60 Jahren an der Macht sind, werden dir nicht verzeihen, was du vorhast. Du hast schon jetzt das Spiel des ewig Gleichen durchbrochen.
Wir werden eine Demokratie sein, weil endlich ein Wechsel der Regierung möglich ist. Es eröffnet sich die Chance einer neuer Ära. Die verarmte Bevölkerung wird nicht vergessen, was du für sie erreicht hast.
Widerstehe der Versuchung einer Wiederwahl, du weißt, wie viele es versucht haben. Bleibe weiter ein christlicher Laienbürger, das ist durchaus etwas Bedeutendes. Die Zukunft der Kirche wird es nur mit einem reifen Laientum geben......

Ex – Bischof Fernando Lugo bei einer seiner zahlreichen Rundreisen durchs Land.
Er führt i. M. (Dez. 07) mit 45% Zustimmung in allen Umfragen weit vor anderen Bewerbern.
Wenn sie ihn nicht „ans Kreuz schlagen“, wie Pater Oliva warnt – was  immer das heißt...

Ausbildungszentrum für ländliche Entwicklung (CCDA)

Hilfsverein Solidarität - Solidaridad

Fundación Vida Plena

Kinderstation Hospital Barrio Obrero

Fundación Celestina Pérez de Almada

Padre Oliva - Bañados del Sur

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