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1992 - 2020
28 Jahre entwicklungspolitische Arbeit

 

Kaufhausbrand Asunción - Gerichtsverfahren
von Hermann Schmitz † 30.03.2019
14.06.07     Klicks:2736     A+ | a-
Vorsätzliche Tötung von 400 Menschen "Laues Urteil nach dreieinhalb Jahren  -  Wieder Straflosigkeit?"

 „Wir Arbeiter vergessen nicht unsere Toten“
Vor exakt dreieinhalb Jahren ereignete sich in Paraguays Hauptstadt Asunción die bislang größte zivile Katastrophe  -  mit der höchsten Opferzahl: Im Flammenmeer eines in Brand geratenen riesigen Supermarktes starben 400 Menschen, 600 wurden verletzt.

Der 1. August ging als „1-A“  ins allgemeine Bewusstsein ein.

Doch war diese „Katastrophe“ eher ein in doppelter Weise begangenes Verbrechen: Zum einen verfügte der Supermarkt „YcuáBolaños“, wie in Paraguay üblich, weder über Notausgänge, ein Brandschutzsystem oder andere Sicherheitsmaßnahmen. Das Feuer nahm seinen Ausgang im großen Kamin des Grills, der mit Fett verstopft war und so den Flammen reiche Nahrung bot. Der Kamin war  - trotz besseren Wissens  -  nie gereinigt worden. Zu teuer, das Geschäft läuft auch so.

Zum anderen wurden an jenem schrecklichen 1. August 2004 die schweren Gitterausgänge vorsätzlich verschlossen. Da stand der Supermarkt bereits in Flammen, Hunderte hatten sich bis zum Ausgang vorgearbeitet und sahen sich dort gehindert, ins Freie zu flüchten.

Das versperrte „Todesgitter“
„Cierren las rejas! Das Gitter runter!“ hatte der Besitzer des Supermarktes gebrüllt, in der einzigen Sorge, dass Kunden ohne Bezahlung seinen Laden verlassen bzw. sogar plündern würden.

Entsetzliche Szenen müssen sich an diesem Gitter abgespielt haben, die Flüchtenden hatten keine Chance, das Tor blieb zu, bis die Flammenwalze es erreichte und die Körper zu Asche werden ließ.

(In meinem Tagebuch 2004 handelt der überwiegende Teil des Kapitels ´Kaufhausbrand in Asunción´ von dieser außerordentlichen Untat. Zufällig war ich genau einen Tag nach der Katastrophe angekommen, und ich wohnte nur ein paar Hundert Meter vom Supermarkt entfernt.)

Jetzt endlich, nach dreieinhalb Jahren quälenden Prozessverlaufes, erging das Urteil gegen den Besitzer, seinen Sohn und zwei weitere Angeklagte.

Obwohl in allen Punkten schuldig gesprochen, kamen sie mit Strafen zwischen zwölf (für den Hauptschuldigen), zehn, fünf und zweieinhalb Jahren davon.

Eine Angehörige protestiert gegen zu geringes Strafmaß
„Zwölf Jahre für vierhundert Tote!“ „Gegen Ungerechtigkeit und Strafrabatt!“

„Kampf den Machenschaften der Justiz!“, empörten sich die vielen Angehörigen und Opferverbände, die immer die Höchststrafe von 25 Jahren gefordert hatten. Seit Jahren kämpfen sie für einen gerechten Prozess, für faire Entschädigungen, die nur in beschämendem Umfang gezahlt wurden.

Dass es überhaupt zu einem Prozess kam und nun zu diesem Urteil, ist nur ihrer Zähigkeit zu verdanken. Zuvor war schon einmal auf drei Jahre Gefängnis für den Besitzer plädiert worden, das hatten die Betroffenen und Paraguays Öffentlichkeit als eine Provokation empfunden, auf die sie mit wütenden Aktionen reagiert und einen weiteren Prozess erzwungen hatten.

Das Skelett des „SupermercadoYcuáBolaños“ steht noch, sogar das schwarze Gitter erinnert nach wie vor an den Horror jenes 1. August.

Die Fassade ist übersät mit wütenden Aufschriften gegen die Verantwortlichen.

Osvaldo Rojas hat seine Frau und eine Tochter verloren
Immer wieder haben die Vertreter von Hunderten, ja Tausenden betroffenen Familien mobilisiert, zu Demonstrationen aufgerufen und Gerechtigkeit eingefordert, am Ort des Geschehens selber haben sie ein Mahnmal eingerichtet, welches  -   mit Fotos der Opfer, ihren Geschichten, Zeugnissen von Angehörigen  -   an das unermessliche Leid erinnert, das ein gieriger, verbrecherischer Kaufhausbesitzer, durchaus Prototyp allzu vieler Unternehmer Paraguays, angerichtet hat.

Man kann dort eine flüchtige Ahnung vom Ausmaß der Tragödie bekommen.

Einer Tragödie, die noch nicht zu Ende ist. Die vier Angeklagten gehen in die Revision.

Sie sind mächtig, viel Geld haben sie und einflussreiche Freunde.

Mal sehen, wie viele der paar Jahre, zu denen sie verurteilt wurden, sie wirklich absitzen müssen.

Endet alles in der „impunidad“ (Straflosigkeit)?

Ausbildungszentrum für ländliche Entwicklung (CCDA)

Hilfsverein Solidarität - Solidaridad

Fundación Vida Plena

Kinderstation Hospital Barrio Obrero

Fundación Celestina Pérez de Almada

Padre Oliva - Bañados del Sur

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