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1992 - 2020
28 Jahre entwicklungspolitische Arbeit

 

Vom Bischofsstuhl auf den Präsidentensessel
von Hermann Schmitz † 30.03.2019
26.02.07     Klicks:1624     A+ | a-
Erstaunliche Dinge spielen sich zur Zeit in Paraguay ab:

Da entscheidet sich ein ehemaliger Bischof, der 11 Jahre lang einer Diözese in der ärmsten Provinz des Landes vorstand, seinem bisherigen Bischofsleben „A Dios!“ zu sagen und sich auf das Wagnis der Politik einzulassen .... So viel Zustimmung hat er sich bereits im Volk erworben, dass er aus dem Stand als Präsidentschaftskandidat für die Wahlen 2008 antreten will. Vom Provinznest San Pedro in den Regierungspalast in Asuncíon

Was wie der Anfang eines Märchens erscheint, hat durchaus einen realistischen Kern:

Nach einer letzten Umfrage hält über die Hälfte der paraguayischen Bevölkerung (51%) den Ex–Bischof Fernando Lugo für den aussichtreichsten Bewerber – abgeschlagen auf Platz 2 landete mit 16% ein anderer „Ex“, nämlich der immer noch im Militärgefängnis einsitzende General Lino Oviedo.  Andere ernsthafte Kandidaten sind nicht in Sicht. Der amtierende Präsident Nicanor Duarte Frutos stand bei dieser Umfrage nicht zur Abstimmung  -  aus guten Gründen. Das hindert ihn freilich nicht daran, sich als den alten und den neuen Präsidenten zu sehen:

Trotz politischer Gräben zwischen den beiden Männern, wie man sie sich tiefer nicht denken kann, „eint“ sie beide je ein Umstand, der Ihre Kandidatur verhindern könnte:

Dem jetzigen Amtsinhaber Nicanor steht die Verfassung im Wege, die eine Wiederwahl des Staatspräsidenten ausschließt. Aber Verfassungen haben in Paraguay nie viel gegolten  -  und außerdem kann man sie ja ändern. Das betreibt der Mann zur Zeit, großmäulig und mit List und Tücke; die Justiz ist bis hinauf zum Obersten Gerichtshof  (in einer Rede soeben von Lugo treffend in „Corte Suprema de Injusticia“ umbenannt) mit Politik und Parteien verbandelt, sie würde ihm bei entsprechenden Gegenleistungen den Weg schon bereiten wollen. Ob er dann auch die Wahl gewinnen würde, steht auf einem anderen Blatt.

(Bereits im letzten Jahr hatten die obersten Richter einen offenen Verfassungsbruch des Präsidenten ermöglicht, der hatte sich nämlich kurzfristig zum Parteivorsitzenden der „Colorados“ wählen lassen, was die Verfassung ausdrücklich verbietet.)

Und dieselbe Verfassung könnte auch Lugos Kandidatur verhindern, das geht so:

Artikel 235 verbietet den „ministros de cualquier religión“, also religiösen Amtsträgern jeder Sorte, Präsident zu werden. Genau deshalb hatte Lugo ja auch um seine Enthebung von Amt und Dienst eines Bischofs nachgesucht.

Orlando Antonini ist der neue apostolische Nuntius in Paraguay, Vertreter des Papstes und Briefträger zwischen Lugo und Rom. Er scheint die Realität in seinem Gastland nicht wahr(zu)nehmen (zu wollen)  -  viele Beobachter können sich nur so erklären, dass er dem Papst ganz offensichtlich die katastrophale Lage, in der Paraguay sich befindet, nicht vermittelt hat. Außerdem ist Antonini auch persönlich gegen einen vollständigen Dispens von Lugo.

So teilt also der Papst Herrn Lugo mit, der sich schon als normaler Bürger des Landes sieht, dass er sich für ihn die „Suspensión a Divinis“ ausgesucht hat, also das Verbot der Ausübung bischöflicher Amtshandlungen. „No hay problema, kein Problem“, könnte man da jetzt auf gut paraguayisch ausrufen, „das will der doch auch gar nicht mehr ...“

Aber so schnell entwischt man dem Papst nicht!

„Einmal Bischof - immer Bischof“, könnte man das Dilemma des Herrn Lugo zusammen fassen; weil nämlich in amtskatholischer, verquaster Rhetorik die Bischofsweihe „der Amtsperson einen übernatürlichen Stempel aufdrückt“, der von nichts und niemandem jemals zu löschen ist.

Das Verbot der Ausführung von Amtshandlungen besteht gleichwohl für Lugo   -  und was heißt das nun: Darf er oder darf er nicht?

Nimmt man die Verfassung wörtlich, dürfte Lugo Präsident werden, weil er ja kein „ministerio religioso“ ausübt. Darf er ja nicht. Aber sowohl die katholischen Kirchenrechtler als auch die Verfassungsakrobaten Paraguays haben aus je eigenen Gründen mit der Logik nicht viel am Hut, und so wird es einen erbitterten Interpretationswettbewerb geben.

Und der ist bereits in vollem Gange, das oben Beschriebene ist nur eine unzulängliche Basisinformation dessen, was derzeit in Paraguay abläuft.

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