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Lebendiges Monument des Widerstandes
Der Träger des Alternativen Nobelpreises, Martin Almada, schockt die Zuhörer im Rokokosaal mit Details seiner Folterung.
Kempen. Herzlich, demütig, humorvoll und kämpferisch. So facettenreich präsentierte sich am Mittwoch Martin Almada aus Paraguay bei seinem Vortrag im Rokokosaal des Franziskanerklosters. Der alternative Nobelpreisträger war von 1974 bis 1977 in seinem Heimatland in politischer Gefangenschaft. Auf Einladung der Kempener Pro Paraguay Initiative sowie der amnesty international-Gruppe berichtete er über sein ereignisreiches Leben. "Wir sind sehr froh, dass Herr Almada heute hier ist", sagte der Pro Paraguay-Vorsitzende, Hermann Schmitz, "sein Besuch ehrt uns sehr." Der Kempener Verein arbeitet schon seit vielen Jahren mit Almada zusammen, um verschiedene Projekte im südamerikanischen Land zu realisieren. Paraguay, im Herzen Südamerikas gelegen, wurde von 1954 bis 1989 von Diktator Alfredo Stroessner regiert. 1974 geriet Almada in die Fänge des Regimes. "Damals war ich Leiter einer Schule mit alternativen Erziehungsmethoden", berichtete der 69-Jährige, "dies war dem Militär-Regime wohl ein Dorn im Auge." Nach Beendigung seiner Doktorarbeit mit dem Titel "Paraguay, Erziehung und Abhängigkeit" wurde Almada als "intellektueller Terrorist" gebrandmarkt und verhaftet. Während seiner dreijährigen Gefangenschaft musste er schlimmste Folterungen über sich ergehen lassen. "Die Militärpolizei hat sogar während der Verhöre bei meiner Frau angerufen, damit sie meine Schreie hören kann", erklärte Almada dem geschockten Kempener Publikum. Wegen des psychischen Drucks sei seine Gattin an Herzinfarkt gestorben. "Mir hat man dann im Gefängnis mitgeteilt, dass sie sich umgebracht hat."
Aufgrund einer Kampagne von amnesty international wurde Martin Almada 1977 frei gelassen. Er trat dann in Paris eine Stelle bei den Vereinten Nationen an und betrieb von dort aus eine weltweite Aufklärungsarbeit über das Stroessner-Regime. Sein Buch "Paraguay der vergessene Kerker" fand international starke Beachtung. 1989 wurde Paraguays Diktator gestürzt und drei Jahre darauf kehrte der ehemals Verfolgte in seine Heimat zurück. Mit großer Leidenschaft kämpft er seitdem um die Aufklärung der Gräueltaten. In diesem Zuge fand er mit seinen Mitstreitern Tonnen von Akten, die dazu führten, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Für seine mutigen Bemühungen erhielt Almada 2002 den alternativen Menschenrechts-Nobelpreis. "Leider existiert bei uns die Demokratie auch heute nur auf dem Papier", sagt der Menschenrechtler, "die politische Klasse ist von Korruption und altem Gedankengut durchtrieben." Deshalb sei es auch heute noch sehr gefährlich für ihn, seine Aufklärungsarbeit durchzuführen. Der Kempener Initiative, die viele Projekte in Paraguay unterstützt, galten seine Schlussworte: "Dafür ein Dank, Sie sind uns eine große Hilfe."
15.09.06 Von Tobias Klingen Kempen
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