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Sie sind bei: Wahlen 2008”

Attentat, Attentat auf eine Leiche, Autoattentate, 9.000.000.000 Guaraníes, Geld- und , Radio Vatikan

Die bange Frage, die sich viele Menschen in Paraguay stellen, je näher der Wahltermin zur Präsidentschaftswahl rückt, lautet:
Werden die herrschenden „Colorados“ zu Gewalt greifen, um ein Klima von Verwirrung zu schaffen, in dem geordnete nationale Wahlen am
20. April nicht mehr stattfinden können? Oder werden sie gar Gewalttäter beauftragen, um den politischen Gegner auszuschalten?
Die Befürchtung scheint sich zu bestätigen.
Ende Februar wurde auf den 21jährigen Geraldino Rotela ein Attentat verübt, er wurde in einem Hinterhalt ermordet, sein Begleiter schwer verwundet. Geraldino war Basisvertreter der „Tokojojá“-Bewegung aus Caazapá, die  -   mit dem Namen aus der Sprache der Ureinwohner Paraguays, der für Gleichheit und Solidarität steht  -  den Exbischof Fernando Lugo unterstützt, Kandidat für das Präsidentschaftsamt.
Rotela war Lehrer und politischer Kämpfer, der stets die üblen Machenschaften der ländlichen Coloradofürsten angeprangert hatte und nach der Überzeugung seiner Familie und Mitstreiter nun die Quittung dafür erhielt.
Es wurden zwei Verdächtige gefasst, und man darf gespannt sein, wie ernst es der paraguayischen Justiz, mehr den Reichen als dem Recht verpflichtet, mit der Aufklärung dieses Verbrechens ist.

Foto by Hermann Schmitz

Präsidentschaftskandidat Fernando Lugo

Unterdessen wächst die Sorge im Lager Lugos, dass auch er den Tag der Wahlen nicht lebendig erreichen könnte.
Zu viel hätten die ewigen Ausplünderer des Volkes zu verlieren, sollte er der neue Präsident des Landes werden -   und die Chancen dafür stehen nicht schlecht.Die Durchführung  fantasievoller Attentate hat Tradition in Paraguay, immer bleiben die Hintermänner im Dunkeln. Man erinnert sich noch gut an die „doppelte“ Ermordung des Vizepräsidenten Argaña, der zunächst von den wahren Tätern hingerichtet wurde, und auf den Stunden später ein zweites Attentat inszeniert wurde  -  genauer: auf seine Leiche, die weiter durchlöchert wurde. So konnte man das Verbrechen anderen in die Schuhe schieben  -  mit einem  Attentat auf eine Leiche!

„Autogolpe“
  -  das ist ein Begriff, der in Paraguay hätte erfunden werden können: ein „golpe“ ist eigentlich ein Schlag, im übertragenen politischen Sinne ein Putsch, und ein „autogolpe“ also  ein „Selbstputsch“ ...

Foto by HermannSchmitz

Schon des öfteren haben sich Politiker (siehe Foto aus einer par. Zeitung) dieser Technik eines gegen sich selbst inszenierten Staatsstreiches bedient, um in dem so erzeugten Chaos ihre Machtposition erfolgreicher zu verteidigen, und sie haben damit nicht nur ihre Ziele erreicht, sondern -  unfreiwillig  -  stets auch Paraguays Ruf als Bananenrepublik  gefestigt ...

Diesmal hat es der amtierende Präsident mit einer Variante versucht, einem „Autoattentat“: Bei einer Wahlveranstaltung hatte er sich in Hitze geredet, bei 35 Grad, und da musste schnell etwas zu trinken her, um den präsidialen Durst zu löschen. Irgendwer aus seiner Entourage trieb eine Flasche Wasser der bekannten Marke „Agua Seltz“ auf, die Nicanor umstandslos ansetzte  -  und sich die Speiseröhre verätzte, denn die Flasche enthielt eine chemische Substanz, wahrscheinlich ein hochkonzentriertes Reinigungsmittel. So etwas kommt vor in Paraguay .

Schnell waren die Täter ausgemacht, das konnten nur der Gott-steh´- uns-bei -Bischof Fernando Lugo und seine Komplizen sein!
Einige Tage war die Stimme des Präsidenten, mit der er diese Attentatsversion öffentlich verbreitete, noch rauer als sonst.
Das war die eine Folge, die andere war, dass er sich bei der Bevölkerung nun  -  gegen Ende seiner Amtszeit  -  noch lächerlicher gemacht hatte. Clownerie oder Absicht  -  sein Ruf ist ohnehin ruiniert.

Aber es mehren sich auch die vergleichsweise harmlosen Schikanen gegen den oppositionellen Hoffnungsträger Fernando Lugo. So wurde ihm neulich der Zugang zur Stadtverwaltung von Asunción verwehrt, wo er die Angestellten begrüßen wollte, auch in Paraguay ein verbrieftes demokratisches Recht und von den Colorado“kollegen“ selbstverständlich in Anspruch genommen.
Foto by Hermann Schmitz

Hospital der IPS  - „Institut für Soziale Vorsorge“

Das gleiche geschah im landesweit größten staatlichen „IPS Hospital“, aber auch hier machte Fernando Lugo mit seinen Begleitern so lange einen Sitzstreik vor dem Eingang, bis man ihn endlich rein ließ.
Der „Bischof der Armen“ ist kampferprobt.

IPS  -  „Instituto de Previsión Social“  -  Institut für Soziale Vorsorge, diese staatliche Einrichtung verdient noch aus anderen Gründen eine Erwähnung. Das mit der angeblichen Vorsorge ihres Staates klingt den Paraguayern wie Hohn in den Ohren. Da ist nichts Soziales dran, und „vorsorgen“, besser: versorgen tun sich traditionellerweise ganze Generationen von Politikern, die mit dem Geld der Versicherten dubiose Geschäfte machen. Die Beiträge der ca. 5% der Bevölkerung, die überhaupt bei der IPS (zwangs)versichert sind, werden nämlich zum allergeringsten Teil für einen Gesundheitsdienst verwandt, der diesen Namen verdienen würde -  und so ist auch das „IPS – Hospital“ eher ein Ort des Grauens!
Wer eben kann, kratzt auch noch die letzten Guaraníes zusammen und lässt sich privat behandeln (was sich freilich auch nur ein Bruchteil der Bevölkerung leisten kann).
Zuletzt wurde der Präsident „versorgt“: 9.000.000.000 (neun Milliarden Guaraníes), was auch bei der Währung mit den inflationären Nullen die stolze Summe von 1.300.000.- Euro ergibt, waren auf einem geheimen Konto der Multibanco geparkt und vom Präsidenten Nicanor für den internen Coloradowahlkampf 2003 verbraten worden, um sich und seine Wunschkandidaten an die Macht zu bringen.

Es konnte jüngst nachgewiesen werden, dass diese Gelder u. a. aus dem IPS – Fond abgezweigt worden waren, daneben kamen sie aus dunklen Kanälen, zum Beispiel aus dem blühenden Tabakschmuggel- geschäft.
Alles das ist in den Zeitungen nachzulesen, wird öffentlich diskutiert.
Aufklärung der Taten aber und Bestrafung der Schuldigen: Fehlanzeige!
Alles landet im „Opareí“, wie der Standardbegriff im Land lautet, was bedeutet, dass jedwede Untat im „Großen Vergessen“ endet.

Wenn man allein von den Manipulationen rund um das IPS weiß, kann man sich vorstellen, wie es in Paraguay zugeht, wenn eine wirkliche gesundheitliche Bedrohung ins Haus steht. Erst einmal fehlt Geld!
Wie jetzt im Fall der  - Epidemie: Mitte Februar hat der Staatschef den notstand ausgerufen  -  eher ein Notstand der staatlichen Organe als ein durch die Stechmücken verursachter.
Die Angaben über Infektions- oder gar Todesfälle sind widersprüchlich, Statistik- und Meldewesen sind total desorganisiert und ungenau.
Hinzu kamen begründete Vermutungen, dass der Präsident, der gegen Ende seiner Amtszeit immer mehr an der Grenze zur Unzurechnungs -fähigkeit agiert und regiert, die Epidemie aufgebauscht hat, um von den schlechten Wahl - Umfrageergebnissen der Colorados abzulenken.
Das Problem: Selbst diese Vermutung kann in Paraguay einen wahren Kern haben!
Die Bevölkerung reagiert panisch, bei der letzten epidemie im Nachbarland Brasilien waren von 200.000 Infizierten 30.000 gestorben, diese Zahlen sind überzeugend und extrem ängstigend.

Foto by Hermann Schmitz

Stimmenfang bei den Armen: Paraguays Politiker

Denguefieber, vom gleichen Mosquitotyp „Aedes aegypti“ übertragen und ebenfalls zur Zeit im Vormarsch, ist geradezu harmlos dagegen.
Gegen den Überträger hilft aber nur  -  neben der Schutzimpfung als Sekundärmaßnahme  -  die Bekämpfung vor Ort, unablässig und ausdauernd!                      
Da geht es um Trockenlegung der Brutstätten in allen Arten von Behältnissen mit sauberem Wasser, das die Mosquitos lieben,  und es geht um Hygiene und nochmals Hygiene. Weder die staatlichen Stellen noch die Bürger Paraguays scheinen das bislang  zu schaffen.
Natürlich war man in keiner Weise vorbereitet, trotz Vorwarnungen von  -   wie so häufig  -  ausländischen Stellen.

Aus aller Herren Länder erbat bzw. kaufte man Impfstoff, der zum Teil zu überhöhten Preisen an die Leute abgegeben wird  -  es blüht das Geldfieber!
Panik, Knappheit, falsche Versprechungen, Warteschlangen bis zu mehreren hundert Metern, auch Prügelszenen und Straßensperren prägen das Bild der letzten Wochen. Verzweifelte Mütter harren in glühender Sonne aus, ihre Kinder im Arm, um die sie Angst haben.

Foto by Hermann Schmitz

Warten auf die Impfung

Ist da der Ausweg ??

Foto by Hermann Schmitz

Heute (28. 02. 2008)  steht auf der Internetseite von „Radio Vatikan“:
 
Paraguay: Lugo liegt vorn

Der ehemalige Bischof von San Pedro, Fernando Lugo, ist bevorzugter Kandidat für den Präsidentenposten. Nach neuesten Umfragen würde er bei einer Wahl jetzt knapp 38 % der Stimmen erhalten. Damit liegt er vor seinen Herausforderern Blanca Ovelar von der Colorado-Partei und Lino Oviedo von der „Unión de Ciudadanos Eticos“, die beide weniger als 30% der Wählerstimmen für sich gewinnen würden.
Da das Kirchenrecht eine derartige politische Betätigung von Priestern oder Bischöfen nicht erlaubt, hatte der Vatikan Lugo von der Ausübung seines Priesteramtes suspendiert. (misna 28.02.2008 ag)


Da haben wir die ganze krude Dialektik à la Vatikan:

Da wird in obigem Text einfach unterschlagen, dass Lugo es war, der sich von seinem Bischofsamt entbinden und in den Laienstand hatte versetzen lassen.
Keinesfalls war es seine Absicht, im Bischofsgewand auf den Sessel des Präsidenten zu steigen („ ...politische Betätigung von Bischöfen  ..“). Allein  -  der Papst entlässt Keinen der Seinen aus dem Amt,
suspendiert hat er ihn aber vorsichtshalber lieber doch!
Was ein Bischof möchte, als mündige Person, die er ja auch ist,  interessiert in diesem Zwangssystem nicht, nur der Papst, gottgleich, kann geben und nehmen. Ob ein ehemaliger Bischof unter Umständen ein vorzüglicher Politiker werden könnte, zum Wohle von Millionen, interessiert ebenso wenig.
Man möchte gar nicht wissen, was der Vatikan diplomatisch alles unternommen hat, um Lugo an seiner Kandidatur zu hindern!
Es wurmt die Agentur Christi auf Erden nicht nur, dass ihnen einer der Ihren von der Fahne geht. Auch die politische Linie des Kandidaten wird ihnen nicht behagen, erst recht nicht in Paraguay, eine der mächtigsten Bastionen des vom deutschen Papst gehätschelten Opus Dei !

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zuletzt aktualisiert am 05.02.2012 

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