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Der Schriftsteller Horacio Quiroga
 
1878 in der kleinen Stadt Salto in Uruguay geboren, stirbt sein Vater einige Monate danach bei einem Jagdunfall; zwölf Jahre lebt Horacio mit der Mutter allein, bekommt dann einen liebevollen Stiefvater, der aber bald schwer erkrankt und fast vollständig gelähmt wird. Der lebensmüde Mann beschafft sich mit großer Mühe ein Jagdgewehr, postiert es auf seinen Füßen und betätigt den Abzug mit den Zehen.
Er erschießt sich in dem Moment, in dem der sechzehnjährige Horacio das Zimmer betritt...
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„La Tortuga Gigante” (Die Riesenschildkröte)
 
In Buenos Aires lebte einmal ein Mann, der war sehr zufrieden, weil er gesund war und fleißig arbeitete. Eines Tages aber wurde er krank. Die Ärzte sagten ihm, er solle aufs Land gehen, nur dort könne er wieder gesund werden.
Erst wollte er aber nicht von zuhause weg, weil er noch kleine Geschwister hatte, die er versorgen musste. Bis endlich einer seiner Freunde, und zwar der Direktor des Zoos, zu ihm sagte:
„Sie sind mein Freund, und Sie sind ein guter und fleißiger Mann, aber krank. Deshalb möchte ich, dass Sie sich aufs Land begeben, oder auch in den Urwald. Dort können Sie sich an der frischen Luft bewegen und allerlei Übungen machen, um gesund zu werden. Sie haben ein Gewehr und sind ein guter Schütze, jagen Sie doch Waldtiere und bringen Sie mir die Felle und Häute.
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Rio abajo (Flussabwärts)
 
Der Mann trat auf etwas Weiches, und sofort spürte er den Biss in seinen Fuß.
Er sprang nach vorn, und als er sich, fast gleichzeitig, mit einem Fluch auf den Lippen, umdrehte, erblickte er die yararacusú, die sich eingerollt und schon auf den nächsten Angriff vorbereitet hatte.
Der Mann warf einen raschen Blick auf seinen Fuß, auf dem zwei winzige Blutstropfen sich nur sehr langsam vergrößerten, und löste seine Machete vom Gürtel.
Die Schlange erkannte die Bedrohung, senkte den Kopf tiefer ins Zentrum ihrer Angriffsspirale, aber die Machete traf schon ihren Körper und zerhackte ihr das Rückgrat.
Der Mann beugte sich zu der Bissstelle hinab, wischte die beiden Blutströpfchen weg, und einen Augenblick lang dachte er nach.
Ein scharfer Schmerz ging von den beiden violetten Pünktchen aus, begann seinen ganzen Fuß zu durchdringen.
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El loro pelado (Der Nackte Papagei)

Im Urwald von Misiones lebte einmal eine große Papageienfamilie.
Früh am Morgen flogen sie zu den Maisfeldern, um die jungen Kolben anzuknabbern, und am Nachmittag naschten sie Orangen. Sie kreischten und machten einen Riesenlärm, und immer saß auf dem höchsten Baum ein Papagei als Wache, der Bescheid geben musste, wenn jemand kam.

Die Papageien sind sehr schädlich, weil sie nämlich einen Maiskolben nach dem anderen öffnen und immer nur ein paar Körner herauspicken, und wenn es dann regnet, verdirbt der Mais. Aus diesem Grund, und weil sie auch im Eintopf gut schmecken, jagten die Knechte sie mit Gewehren.
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La Guerra de los Yacarés (Der Krieg der Kaimane)

An einem großen Fluss, in einem von Menschen unbewohnten Land, lebten viele Caimane, es waren über hundert, oder sogar über tausend.
Caimane sind wie Krokodile, vielleicht ein bisschen kleiner.
Sie fraßen Fische, manchmal auch Tiere, die zum Wassertrinken ans Flussufer kamen. Vor allem aber ernährten sie sich von den vielen Fischen des Flusses. Mittags hielten sie Siesta im Ufersand, und bisweilen spielten sie auch im Wasser, besonders in Nächten mit Vollmond.
So lebten sie schon lange miteinander, ruhig und zufrieden.
Eines Tages aber, während ihrer Mittagsruhe, wurde ein Caiman plötzlich wach und hob seinen Kopf, weil er glaubte, ein Geräusch gehört zu haben.
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La gallina degollada (Das geköpfte Huhn)

Den ganzen Tag über hockten die vier schwachsinnigen Kinder der Eheleute Mazzini-Ferraz auf einer Bank im Hof.
Die Zungen schlaff zwischen den Lippen hängend, die Blicke stumpf und stierend, drehten sie hin und wieder die Köpfe mit offenen Mündern.
Der Hof hatte einen Lehmboden, eine Mauer aus Ziegelsteinen schloss ihn zur Rückseite hin ab. Davor stand die Bank, etwa fünf Meter entfernt, auf der sie unbeweglich zu verweilen pflegten, die Augen starr auf die Mauer gerichtet.
Wenn die Sonne sich neigte und allmählich hinter der steinernen Wand versank, ergriff eine seltsame Erregung die vier Idioten. Zunächst schien das grelle Licht sie aufzuwecken, ihre Blicke wurden etwas lebhafter, bis sie am Ende von Lachen geschüttelt wurden - die Köpfe erhitzt von einer triebhaften Heiterkeit.
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El Hombre Muerto (Der tote Mann)

Der Mann hatte mit seiner Machete gerade die fünfte Reihe seiner Bananenpflanzung gesäubert. Zwei weitere Reihen fehlten noch; da diese aber nur mit Chircas und Malven bewachsen waren, war die ausstehende Arbeit leicht zu bewältigen.
Der Mann warf daher einen zufriedenen Blick auf die Haufen gerodeter Sträucher und wollte nun auf die andere Seite des Zauns wechseln, um sich eine Weile im Gras auszustrecken.
Aber als er den Stacheldraht niederdrückte, um seinen Körper durchzuzwängen, rutschte er mit dem linken Fuß auf einem glatten Stück Holz aus, das sich vom Zaunpfosten gelöst hatte, und gleichzeitig glitt ihm die Machete aus der Hand.
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zuletzt aktualisiert am 31.07.2010 

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